Kolumne
Meine Frau ist unzufrieden, was soll ich tun?

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Was ist dran am Klischee der ewig nörgelnden Frau?

Maria Brehmer
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«Was, wenn das alles eine Frage der Perspektive ist und Nörgeleien und Kritik kein negatives Vorurteil gegenüber Frauen, sondern etwas Hilfreiches sind?»

«Was, wenn das alles eine Frage der Perspektive ist und Nörgeleien und Kritik kein negatives Vorurteil gegenüber Frauen, sondern etwas Hilfreiches sind?»

Foto: Sandra Ardizzone

Es heisst, Frauen kritisierten mehr – an ihrem Partner, ihrer Partnerin oder ihrer Beziehung – als Männer. Ein Klischee?

Ich glaube nicht. Ich nörgle um ein Vielfaches öfter als mein Freund. Täglich beanstande ich Dinge, die in Haus oder Garten nicht oder in meinen Augen nicht richtig erledigt wurden. Mal fordere ich mehr Zweisamkeit, mal weniger. Manchmal wünsche ich mir, dass sich mein Freund die Hände noch mal wäscht, dann meckere ich, weil es Zahnpastareste im Brünneli hat.

Kein negatives Vorurteil

Lange Zeit fühlte ich mich schlecht, wenn ich etwas äusserte, das besser oder anders sein könnte – weil ich es vermeintlich nicht schaffte, damit zufrieden zu sein, was ich alles schon hatte. Heute lasse ich immer öfter den Gedanken zu:

Was, wenn das alles eine Frage der Perspektive ist und Nörgeleien und Kritik kein negatives Vorurteil gegenüber Frauen, sondern etwas Hilfreiches sind?

Wenn der Blick für das, was nicht gut läuft, einen selbst, die Beziehung und den Partner weiterbringt, weil er Veränderung anstösst? Was, wenn ich und meine Beanstandungen eine Art Warnsignal sind, dass in der Beziehung etwas aus dem Gleichgewicht zu fallen droht, etwa dann, wenn ich darauf poche, jetzt sofort und bei abgeschaltetem TV ernsthaft miteinander zu reden?

Aus dieser Perspektive ist die «unzufriedene Frau» die, die sich mit dem Ist-Zustand nicht zufriedengibt. Die den Wandel sucht. Die vorankommen will. Aus Prinzip und ohne Grund unzufrieden: Das ist doch niemand, oder?

Nehmen Sie Ihre Frau ernst

Tatsächlich fragte mich kürzlich ein Leser per E-Mail: Meine Frau ist unzufrieden, was soll ich tun?

Danke für diese Frage, Herr T. Dass Sie Ihre Frau nicht als «ewig Nörgelnde» abtun, sondern wissen wollen, was Sie zu ihrem Glück beitragen können, ist ein Schritt in Richtung Beziehung, in der alle Parts gerne leben. Sie nehmen Ihre Frau und das, was sie bemängelt, ernst.

Mein Tipp 1 als Antwort auf Ihre wichtige Frage ist darum auch: Hören Sie zu, und anerkennen Sie, dass Ihre Frau etwas zu sagen hat, das Ihnen nicht passt.

Tipp 2: Nörgelt Ihre Frau über vermeintlich kleine Dinge? Das nasse Handtuch auf dem Boden, die offene Abwaschmaschine? Gut! Denn diese kleinen Dinge sind vermutlich keine grossen Dinge für Sie, also lassen sie sich auch ohne grosse Anstrengung erledigen.

Tipp 3: Es wird selten genörgelt, um jemanden zu ärgern. Denken Sie daran: Sie und Ihre Frau sind weder gleich erzogen worden, noch denken Sie gleich. Seien Sie also nicht verärgert, wenn Ihre Frau Sie auf etwas hinweist. Sondern dankbar: Dafür, dass Ihre Frau Sie und sich als Team sieht, das am selben Strick zieht.

Tipp 4: Warten Sie nicht, bis Sie etwas tun «müssen». Wenn Ihre Frau Kritik übt, haben Sie den Moment verpasst, wo Sie es hätten tun «können». Wenn Sie etwas freiwillig tun – oder sogar mehr tun, als Sie «müssen» – werden Sie Ihre Frau augenblicklich zufriedener sehen. Versprochen.

Was tun Sie, wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin Unzufriedenheit äussert? Schreiben Sie mir auf maria.brehmer@chmedia.ch.