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Kolumne

Kleiderbügelfotos und Kopfkissenpralinen

Kleiderbügel sind die Visitenkarte eines Hotels, findet Kolumnistin Blanca Imboden.
Blanca Imboden

Waren Sie auch in den Ferien? In einem Hotel? Ich liebe Hotels. Die meisten jedenfalls. Und ich habe da so mein eigenes Bewertungssystem. Es ist bereits ein Running Gag, wenn ich aus einem Hotel zuerst ein Foto der Kleiderbügel auf Facebook poste. Ich fing damit an, als ich nach einer Lesung in einem schmuddeligen Hotel absteigen musste. Beim Öffnen des Kleiderschranks musste ich laut lachen über die sieben total verschiedenen, teils krummen Kleiderbügel. Das passte so perfekt zum Bild dieses Hauses. Seither bin ich bekannt für meine Kleiderbügelfotos. Für mich sind sie die Visitenkarte eines Hotels.

Ja, ja, das ist natürlich ein wenig verrückt. Es gibt aber viel verrücktere Menschen. Ich habe von einem Mann gehört, Kammerjäger von Beruf. Wenn dieser ein Hotelzimmer betritt, wendet er zuerst die Matratze und schaut, ob auf deren Rückseite Spuren von Bettwanzen zu finden sind. Bevor er diesen Test gemacht hat, öffnet er noch nicht einmal seinen Koffer. Da ist mein Kleiderbügeltick doch harmlos, oder?

Was ich liebe sind grosse Fenster, wenn möglich mit Blick auf irgendetwas Schönes, wie Berge zum Beispiel. Wenn an diesem Fenster dann auch noch ein Schreibtisch steht, bin ich bereit, krumme, bunte, willkürlich zusammengewürfelte Kleiderbügel zu ignorieren. Balkone sind für mein Hotelglück ein Muss. Was ich nicht brauche, sind edle Wellnesstempel. Dafür schätze ich eine Bar mit einem Musiker.

Viele Dinge sind ja heute selbstverständlich. In einem Buch über Arosa sah ich eine ganz alte Anzeige. Darin warben Hotels noch mit elektrischem Licht und einer Heizung! Trotzdem darf man nicht überall alles voraussetzen. Ich war neulich in Paris und hatte im Internet ein Einzelzimmer gebucht. Leider hatte dieses kein Fenster. Und ja, stimmt: Es wurde in der Hotelbeschreibung nicht von Fenstern gesprochen. Seither bin ich ein wenig übervorsichtig. Und da scheine ich in guter Gesellschaft zu sein. Ich amüsierte mich, als ich auf booking.com bei Hotelbeschreibungen plötzlich immer wieder «Toilettenpapier» las. Ach was? Ein Hotel mit Toilettenpapier? Ohne Spass: In einem Fünfsternhotel in Bern fand man es erwähnenswert, dass im Zimmer ein Schrank stehe und auch Bettwäsche vorhanden sei. Und natürlich Toilettenpapier.

Aber, und das möchte ich hier doch auch einmal betonen, ein Hotel kann noch so viel Schnickschnack vorweisen – gerade war ich im «Tschuggen», Arosa, das sogar eine eigene Bergbahn für die Hotelgäste hat –, es ist immer nur so gut, wie die Menschen, die darin arbeiten. Sie sind das Herz des Ganzen. Ein guter Gastgeber ist mehr wert als Designermöbel. Ein freundlicher Empfang und eine persönliche Ansprache sind mehr wert als Kopfkissenpralinen. Nun, eine Ausnahme bildet vielleicht das Fehlen von Toilettenpapier und Fenster. Selbst das netteste Lächeln und die schönsten Kleiderbügel können in so einem Fall nicht mehr helfen.

Blanca Imboden

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