Villa Kunterbunt: Kinder müssen nicht nützen

Roger Berhalter
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Beim Mailänderli-Backen hatte ich neulich ein Schlüsselerlebnis. Die Kleinen liessen gerade das Wallholz über den Teig rollen, drückten Schneemänner und Engelchen hinein und legten Mailänderli um Mailänderli aufs Backblech. Die Weihnachtsbäckerei lief also auf Hochtouren – und das ohne mein Zutun! «Aha, jetzt kann man sie langsam brauchen», schoss es mir durch den Kopf. Sofort hatte ich ein schlechtes Gewissen. Darf man Kinder nach ihrem Nutzen beurteilen? Müssen Aufwand und Ertrag bei ihnen stimmen? Hat die Ökonomisierung aller Lebensbereiche jetzt meine Familie erreicht?

In ihren ersten Lebensjahren opfert man sich bekanntlich auf für die Kleinen, gibt und gibt und gibt – und bekommt dafür schlaflose Nächte und allerhand Körperflüssigkeiten. Vorbei sind diese Zeiten! Jetzt schlafen die Kinder durch, benutzen das WC, und der Älteste kann mittlerweile schon selbstständig Gipfeli kaufen.

Aber Halt! Ich habe keine Kinder gezeugt, nur damit sie mir Mailänderli backen und Gipfeli holen. Drum hiermit ein Vorsatz fürs Neue Jahr: Ich werde meine Kinder nie mehr wie ein Ökonom betrachten. Man muss sie nicht immer brauchen können. Meist ist es auch schön, mit ihnen gemeinsam Zeit zu verschwenden.