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Keine Zeit für Eile

In der Villa Kunterbunt hat die Grippe das Leben lahmgelegt. Das könnte durchaus auch ein Gewinnn sein
Bettina Kugler
Die Grippe legt alle lahm. (Bild: KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Die Grippe legt alle lahm. (Bild: KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Nicht schon wieder! Das war mein erster Reflex, als sich am Sonntag die Grippe anschlich. Wenn eine zehnjährige Langschläferin bereits um sieben schniefend im Bad hockt, ohne Murren Hustensaft nimmt und im Spiegelschrank nach dem Thermometer fahndet, besteht wenig Hoffnung: Es wird weder aus dem Skitag etwas noch aus dem darauffolgenden Alltag. Sicher, es gab schon andere Zeiten – da musste man alle Termine der nächsten drei Tage absagen und war in dieser Zeit rund um die Uhr Teeköchin und Vorleserin. Doch ins Schleudern kommt die straff organisierte Familienplanung nach wie vor, wenn eine Grippe dazwischenfunkt. Gerade darum tut sie gut.

Pläne sind nur eine Sache

Pläne machen ist die eine Sache; Leben ist das, was derweil passiert. Auch eine Grippe gehört in die Kategorie Leben – keiner käme auf die Idee, mit ihr zu rechnen. Sie kommt und sagt: Lass alles liegen, nimm dir Zeit. Zeit, «einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen», so wie Pippi Langstrumpf das macht. Zu viel mehr hat man ja kaum Lust mit matten Gliedern. Auch die Pflegerin wider Willen hat an Grippetagen keine Zeit, sich zu beeilen. Glaubt man dem Philosophen Emil Cioran, so sind es gerade die Stunden, in denen wir nichts treiben, die uns prägen. Na bitte: Faulenzen bildet! Und gegen Schlimmeres als Grippe sind wir geimpft.

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