Glosse

Ist Donald Trump objektsexuell?

«Sehr hoch, stark und schön»: Der Mauerfetisch des US-Präsidenten ist nicht von der Hand zu weisen. Doch er ist nicht allein. Ein Einblick in eine spezielle Minderheit.

Sven Gallinelli
Drucken
Teilen
Sven Gallinelli

Sven Gallinelli

In den USA streitet man sich ja grade über den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Seit die Debatte geführt wird, kommen fast täglich neue Adjektive hinzu, mit denen man eine solche Mauer umschreiben kann. «Sehr hoch, stark und schön» soll die Mauer sein, die US-Präsident Donald Trump bauen will – so zumindest bezeichnet er sie selbst immer wieder auf dem Internetkurznachrichtendienst Twitter.

«Schön» – ein Adjektiv, das man im Zusammenhang mit Grenzmauern noch selten gehört hat. Der US-Präsident scheint hier einen ganz besonderen Fetisch entwickelt zu haben, wenn er liebevoll und zärtlich von seiner Mauer spricht, zu welcher er fast eine intime Beziehung zu pflegen scheint.

Für derartige Neigungen gibt es einen Begriff, nämlich denjenigen der «Objektsexualität»; laut dem Internetlexikon Wikipedia wird damit die «sexuelle Anziehung von Menschen zu unbelebten Objekten» bezeichnet. Nun kann es sein, dass Trumps Mauerneigung nicht sexueller Art ist; vielleicht kann man ihn gnädig auch in eine andere Kategorie einteilen, nämlich in diejenige der «objektophilen» Menschen; diese wiederum leiden an einer «pathologischen Sucht» zu gewissen Dingen und haben die Fähigkeit, sich in Gegenstände zu verlieben.

Wenn man Begriffe wie «objektsexuell» und «objekt­ophil» googelt, dann führt das zu Schlagzeilen wie «Ich habe Sex mit einer Boeing 737-800», «Ich liebe eine Lokomotive» oder «Frau wird Mann – und liebt jetzt ein Atomkraftwerk». Dagegen ist ja eigentlich auch nichts einzuwenden – jeder soll so leben, wie es für ihn stimmt. Ob man aber Menschen, die Grenzmauern «schön» finden, zu den sympathischen Zeitgenossen zählen mag, steht auf einem anderen Blatt.

Zudem ist auch bekannt, dass der US-Präsident eine Neigung zu starken Adjektiven pflegt; einige nutzt er ja gerne dazu, um politische Gegner zu beleidigen («crooked Hillary»). Vielleicht kommt ja zur «Objekt­ophilie» auch noch eine «Adjektiv­ophilie» hinzu; über letztere allerdings scheint es bislang noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu geben.

Doch zurück zur Schönheit von Mauern. Ich habe nun viele Bilder von Grenzmauern angeschaut – keine einzige davon hat auch nur den geringsten Hauch von «Schönheit». Im Gegenteil – optisch wie mental stehen Grenzmauern eigentlich immer nur für das Versagen der Menschheit. So gibt es eigentlich nur ein einziges Adjektiv, das auf solche Bauten zutrifft: hässlich.