Kolumne
In eine Topliga – oder zum FC St. Gallen

Das Potenzial an guten Schweizer Fussballern und Fussballerinnen ist eindrücklich, aber es gibt nicht nur Yann Sommer, Granit Xhaka und Nico Elvedi.

René Bühler
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Kolumnist René Bühler (Bild: Benjamin Manser)

Kolumnist René Bühler (Bild: Benjamin Manser)

Mehr als hundert Schweizer Fussballer sind im Ausland tätig, davon 34 in den fünf Topligen Europas: In Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien. Ausserdem spielen 32 Schweizerinnen in ausländischen Vereinen, davon neun in der deutschen Bundesliga.

Natürlich hören und lesen wir nur von den Besten, aber es sind mehr als doppelt so viele Spieler, die beispielsweise in der deutschen Regionalliga ihren «Traum» des Auslandengagements leben. Die Frage sei erlaubt, ob es nicht besser wäre, wenn solche Akteure hier in der Super League spielen würden als im Ausland in zweit- oder dritthöchsten Spielklassen?

Jedem sei der Traum erlaubt, in einer europäischen Topliga zu spielen. Es wäre aber ein Gewinn für die Super League, wenn die Schweizer, die den Sprung in die Elite nicht schaffen, selbst ihre Grenzen erkennen. Oder faire Berater haben, welche die Möglichkeiten ihrer Schützlinge richtig einschätzen. Viele dieser Spieler würden der Schweizer Liga gut tun, um das Niveau hinter den Young Boys und Basel zu verbessern.

Nicht nur des Fussballs wegen ins Ausland

Auch aktuell warten einige Schweizer Fussballer auf den grossen Vertrag im Ausland, die Wechselfrist für internationale Transfers läuft noch bis zum 31. August. Es gibt natürlich auch andere Argumente, als nur des Fussballs wegen im Ausland zu spielen. Man kann zum Beispiel wie Philippe Senderos fünfsprachig in die Heimat zurückkehren, da hat man definitiv etwas gelernt für den Rest des Lebens. Ist es für Roberto Rodriguez, den ehemaligen Spieler des FC St. Gallen, aber wirklich reizvoll, bei Uerdingen in der 3. Liga Deutschlands zu spielen?

Dann doch wenigstens in der englischen Championship wie Almen Abdi, der frühere Profi des FC Zürich. Leider hat der 32-Jährige nun dort aus diversen Gründen in der vergangenen Saison kaum gespielt und geht auf Vereinssuche, vielleicht sogar in der Schweiz? Würden wir einem aktuellen Spieler des FC St. Gallen den Sprung in die 1. Bundesliga zutrauen? Wohl kaum. Einige könnten es allerdings in der 2. Bundesliga schaffen, aber nur jene, die läuferisch und kämpferisch mithalten können, denn dort geht es auch um diese Qualitäten.

Auch Lang hat einen Umweg gemacht

Ein vermeintlich guter Vertrag kann im Ausland ordentlich daneben gehen, wenn Verein, Liga, Spieler und Einschätzung des Beraters nicht zusammenpassen. Dies hat letzte Saison auch St. Gallens Neuzugang Yannis Letard in der 3. Liga mit Aalen erlebt. Nach seinem Start beim FC St. Gallen ist es kaum zu glauben, dass er dort nur gerade auf acht Einsätze kam. Jeder Schweizer Spieler, der es in die Super League schafft, hat sich einen Bubentraum erfüllt.

Ein junger Spieler wie der St.Galler Silvan Hefti ist gut beraten, wenn er seine ganze Energie darauf verwendet, hier und jetzt Fortschritte zu machen, um im Laufe der Zeit zu einem Führungsspieler zu reifen. Auch Michael Lang hat einen Umweg gemacht, bis er in der Bundesliga landete. Rechte Verteidiger sind ohnehin nicht zuoberst auf den Wunschzetteln der Scouts. Trotzdem sollte Hefti in Zukunft nur noch auf dieser Position spielen, damit er sich hier weiterentwickeln und vielleicht in Zukunft in einer Topliga reüssieren kann. Und wenn nicht, dann bleibt auch der FC St. Gallen eine gute Adresse und immer noch ein Bubentraum.