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Super League: In der Schweiz top – in den Topligen reicht es jedoch nicht

Ein erfolgreicher Stürmer in der Schweiz zu sein, ist kein Bewerbungsschreiben für eine Topliga in Europa. Beispiele dafür gibt es einige. Dabei ist es auch in der Schweiz möglich, eine tolle Karriere zu machen.

René Bühler
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Kolumnist René Bühler

Kolumnist René Bühler

Benjamin Manser

Die Herausforderung eines Sportchefs in der Super League ist es, die besten Schweizer sowie ausländischen Fussballer zu verpflichten, die es (noch) nicht in eine grössere Liga schaffen.

Die Young Boys haben dies in den vergangenen fünf Jahren am besten gemacht. Nun aber werden sie wieder von Basel unter Druck gesetzt. Ein anderer Schweizer Meister als die Young Boys oder Basel ist auch in dieser Saison kaum vorstellbar.

Das Beispiel Roger Assalé

Für die meisten in der Schweiz erfolgreich aufspielenden Fussballer reicht es nicht für eine Topliga. Als Beispiel dafür steht der wirblige Ivorer Roger Assalé, der bei den Bernern in zweieinhalb Jahren 39 Tore erzielt hat und unbedingt wechseln wollte.

Im Winter 2020 wurde Assalé nach Spanien ausgeliehen und blieb erfolglos. Ein halbes Jahr später überwies Dijon sechs Millionen an die Young Boys. Aber auch in Frankreich reichte es nicht, worauf er nun leihweise bei Werder Bremen in der 2. Bundesliga gelandet ist.

Ein erfolgreicher Stürmer in der Schweiz zu sein, ist kein Bewerbungsschreiben für eine Topliga in Europa.

Die Schweizer Spieler in den Reihen der Berner wie David von Ballmoos, Cédric Zesiger, Silvan Hefti, Christian Fassnacht, Michel Aebischer oder Sandro Lauper sind hoffentlich so gut beraten, dass es nicht nur darum geht im Ausland einen Vertrag zu unterschreiben, sondern dort auch spielen zu können.

Ist der ersehnte Transfer dann geglückt und es reicht nicht für mehr als die Ersatzbank, sind diese Spieler auch für das Nationalteam nicht mehr interessant. Natürlich kann es eine Herausforderung sein wie Miro Muheim zum Hamburger SV in die 2. Bundesliga zu wechseln.

Der erwünschte «nächste Schritt» sollte ihn aber nicht wie aktuell auf die Ersatzbank führen und wie Michael Lang erfolglos in die Schweiz zurückkehren lassen. Der wirkliche Exportschlager für die Bundesliga sind seit Diego Benaglio die Schweizer Torhüter, die seit Jahren für grosses Aufsehen sorgen.

Marchesano ist zu einer wichtigen Stütze geworden

Taulant Xhaka vom FC Basel ist das beste Beispiel für eine tolle Karriere in der Schweiz. Noch besser läuft es seit zwei Jahren Antonio Marchesano vom FC Zürich. Er spielt seit zehn Jahren in den obersten zwei Schweizer Ligen und ist für die Zürcher nun im Alter von 30 Jahren zum wichtigsten Spieler avanciert.

Der verletzte YB-Stürmer Jean-Pierre Nsame hat in drei Saisons Super League 79 Tore erzielt und dazu noch 20 Treffer vorbereitet. Ein Transfer in eine Topliga, unabhängig von seiner aktuellen Verletzung, ist auch für ihn sowie Arthur Cabral vom FC Basel kein Selbstläufer.

Auch für Demirovic und Itten ist es schwer

Auch die früheren St.Galler Stürmer Ermedin Demirovic und Cédric Itten waren Torgaranten in der Schweiz, aktuell gehört Demirovic beim SC Freiburg nicht zur Startelf und Cédric Itten soll nach einem unglücklichen Abstecher nach Schottland nun Greuther Fürth vor dem Abstieg aus der Bundesliga bewahren.

Albian Ajeti, beim FC St.Gallen und dem FC Basel in drei Saisons immerhin noch 41-facher Torschütze, geht es seit zwei Jahren in England und Schottland nicht besser, auch wenn er zuletzt mit zwei Toren glänzte.

Der aktuell unbestrittene Schweizer Titeljäger im Ausland ist Xherdan Shaqiri. Im Gegensatz zu Stéphane Chapuisat, der vor über 20 Jahren bei Dortmund einen grossen Anteil an den Erfolgen hatte, ist bei Shaqiri aber doch die Frage erlaubt, was er ausser beim FC Basel zu diesen Titeln beigetragen hat. Hoffentlich ist Lyon nicht wieder eine Nummer zu gross.

Unser Kolumnist

René Bühler wirft in regelmässigen Abständen einen Blick auf das Sportgeschehen. Er ist Ehrenpräsident des FC Fortuna St.Gallen und Herausgeber des Buches «Fussballjahre». (red)


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