Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kolumne

Feiern wir die Helden des Londoner Alltags

Die Blicke der Welt richten sich auf den neuen Spross der englischen Königsfamilie. Doch hat die britische Metropole so viele Geschichten und Persönlichkeiten des alltäglichen Lebens zu bieten, die nicht minder spannend sind als News aus Windsor.
Gabriel Felder
Gabriel Felder.

Gabriel Felder.

Seit Tagen schaut die ganze Welt nach London und auf den königlichen Nachwuchs im Hause Windsor: Meghan Markle, die Duchess of Sussex, hat einen Knaben zur Welt gebracht, und Prinz Harry bereitet sich laut Medienberichten beflissen darauf vor, ein «durch und durch moderner Papi» zu sein. So weit so gut, und natürlich wünschen wir dem Paar und seinem heiss erwarteten Sprössling nur das Beste.

Doch beim Brimborium ums royale Baby könnte man glatt übersehen, dass es in London eine Unmenge an bemerkenswerten Persönlichkeiten gibt, welche es kaum in die Schlagzeilen schaffen. Menschen aus dem alltäglichen Leben, wie zum Beispiel Sabah Ahmadi, mit 25 Jahren der jüngste muslimische Geistliche Grossbritanniens. «Wenn ich den Leuten sage, dass ich als Imam arbeite, sind sie oft geschockt», erzählt er. «Man erwartet normalerweise einen alten Mann mit langem Bart und Umhang.» Sabah steht unter der Kuppel seiner West-Londoner Moschee in grellfarbenen Socken, marineblauen Hosen und einer Trainerjacke. «Ich glaube nicht, dass die Länge des Bartes etwas über die Tiefe der Spiritualität aussagt,» fügt er philosophisch an. Vorurteile und Stereotypen sind ihm eh ein Gräuel: «Ich mag es, wenn Leute mir Fragen stellen, und nehme jede Gelegenheit wahr zu betonen, dass der Islam eine Religion des Friedens ist», betont er in einem Zeitschriften-Interview.

Seit 40 Jahren hinter der Theke

Die Religion von Maureen Rose ist rund, hat meistens zwei Löcher in der Mitte und ist in allen möglichen Farben und Materialien erhältlich: Maureen ist die Königin der Knöpfe und Inhaberin des ältesten «Button Shops» in London. Seit 40 Jahren steht sie hinter der Theke im berühmten West-End-Viertel und hat «keine Ahnung, wie viele Knöpfe sich hier über die Jahre angesammelt haben.» Jede Variation hat ihr Depot in Form einer Kartonschachtel und man kann sich nur wundern, wie Maureen den Überblick bewahrt. «Eine Frau stand einmal auf der Türschwelle und fragte mich, ob man hier Knöpfe kaufen könne,» erinnert sich die Knopf-Queen. «Ich sagte ‹Nein, dies ist ein Museum›», erinnert sie sich. «Sie lief weg. Wahrscheinlich hat sie mir geglaubt.» Vom Ruhestand will Maureen nichts wissen: «Was würde ich zu Hause machen? Ich habe gesehen, was mit meinen pensionierten Freunden passiert: Sie verlieren den Durchblick.»

Im St. James’s Park, kaum ein Steinwurf von Maureens Knopf-Universum entfernt, macht sich der 27-jährige Hugh Smith an die Arbeit. Als Hauptverantwortlicher für die Tierwelt in einer der ältesten Grünflächen der Londoner Innenstadt schaut er auch zu den Pelikanen im Park. Er findet es oft «surreal, inmitten der Metropole von so viel Natur umgeben zu sein». 405 Hektaren, um genau zu sein. «Ich bin hier weniger als 200 Meter von Downing Street entfernt und sehe oft, wie Waldschnepfen zum Flug abheben,» beschreibt Smith seine Faszination fürs Nebeneinander von Grossstadt und Natur. Die Pelikane waren ein Geschenk an King James und gehören seit dem 17. Jahr-­hundert zum Mini-Zoo des St. Ja­mes’s Park. Wie Imam Sabah Ahmadi hat auch Hugh Smith eine philosophische Botschaft bereit: «Es nervt mich, wenn Leute in den Park kommen und nur auf ihre Handys starren. Wir sind alle ziemlich insular geworden, was unsere Fähigkeit einschränkt, mit der Natur zu kommunizieren.»

Ganz unauffällig machen sich Leute in den verschiedensten Ecken der Stadt daran, ihr Umfeld auf ihre ganz eigene Art und Weise zu bereichern. Das Leben im Schmelztiegel – es sind Menschen mit ihren Geschichten und Philosophien, die es – fernab vom Scheinwerferlicht der Medien – so unglaublich faszinierend machen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.