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Unkommod: «Beim Tanzen sah ich nur die Schädeldecke der Jungs»

Kolumnistin Claudia Lässer über ihr Leben als 1,82-Meter-Frau.
Claudia Lässer
«Gross zu sein ist komisch - ausser man ist ein Mann»: Claudia Lässer.Bild: Urs Jaudas

«Gross zu sein ist komisch - ausser man ist ein Mann»: Claudia Lässer.
Bild: Urs Jaudas

Unerwartete Situationen fordern uns. Ist das Unerwartete gut oder schlecht? Was ist es überhaupt? Nützt oder schadet mir die neue Situation? Gleichzeitig ermöglicht die Art des Umgangs mit unerwarteten Situationen einen kurzen, aber lehrreichen Blick auf einen Menschen. Geht er das Unerwartete positiv und offen an, oder hadert er mit dem Unbekannten und zieht sich hinter einer Mauer aus Vorurteilen zurück? Weil gut nur ist, was war. Aber das war ja auch nicht immer.

Ich habe diese Momente in Gesichtern meiner Vis-à-vis schon oft beobachten können. Diesen Moment des Entscheidungs-Blitzgewitters, was das soll und ob das jetzt gut ist, das was anders ist? Der Auslöser war und ist in meinem Fall ganz banal – meine Körpergrösse, mit der ich als 182 cm-Frau an ü180 Parties kann.

Im Teenageralter war ich immer die Bohnenstange, der Storch oder die Heuschrecke, und im Turnen fand man mich beim Einstehen immer zuvorderst, respektive zuhinterst. An bunten Abenden, die von den coolen Jungs später am Abend in Diskotheken verwandelt wurden, fand ich die coolen Jungs auch cool, aber beim Tanzen sah ich von ihnen nur die Schädeldecke.

Da waren die Jungs wohl besser dran. Anders als die coolen Jungs war ich nicht nur grösser, sondern durch meine Grösse alles andere als cool. Eine Kleinigkeit, die mich immer wieder anecken liess.

Typisch Teenager halt, oder? Schnappen sich ein nichtkonformes Merkmal und schiessen mit allem, was sie haben. Irgendwie lustig, dieses konservative Verhalten im Lebensabschnitt der vermeintlichen Rebellion. Aber auch die macht wohl nur in der Gruppe Spass. Ein übergrosser junger Mann war im Gegenteil dazu voll der Held. Von wegen gross, stark und männlich. Meine ersten Erfahrungen mit dem kleinen Grössenunterschied: Gross ist komisch, ausser man ist ein Mann. Aber was wissen die Teenager schon.

Was ich heute weiss: Als Frau gross zu sein in jungen Jahren und so viel Raum einzunehmen führte dazu, dass ich schneller erwachsen wurde.

Ich lernte früher, Position zu beziehen
und zu mir zu stehen.

Ab 20 und dann als Erwachsene ist man reflektierter, steht fester im Leben und lässt sich nicht von impulsevozierten ­Unsicherheiten provozieren, sondern weiss, sich den Menschen erst mal anzuschauen, ihn erst mal zu erleben, bevor man den «anders oder komisch» findet oder eben nicht. Meine zweite Erfahrung vorweg – die Erwachsenen verblüfft und irritiert meine Grösse genauso, sie zeigen es einfach anders.

Ich bin gerne gross. Manchmal eben auch genau deswegen... Dass mich dieses Thema ein Leben lang begleiten wird, war mir schon frü̈h klar. Dass es 2018 immer noch Reaktionen auslöst, verwundert mich. Grosse Frauen irritieren noch immer. Ist grösser nicht gleich grösser?

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