glosse

«Salzkorn»: Das Leben als Zürcher

Heute wollen wir uns einmal mit den Lieblingsnachbarn der Ostschweizer befassen. Zusammengefasst: Sie können ja auch nichts dafür.

Pascal Hollenstein
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Illustration: Corinne Bromundt

Des Ostschweizers liebster Nachbar ist der Zürcher. Das liegt daran, dass auf allerlei parastaatlichen Sendern ständig so getan wird, als sei die Stadt am Leutschenbach der Nabel der Welt. Fällt in Zürich ein Zürisack um, hat das die ganze Welt zu interessieren.

In der Ostschweiz hingegen müsste schon eine Atombombe detonieren, bis die Nachrichtenbeamten vom öffentlichen Rundfunk Notiz davon nähmen. Des Zürchers Optik auf die Welt ist gepflegtes Desinteresse.

Dass es ausserhalb seiner Stadt etwas gibt, hält der Zürcher bestenfalls für ein Gerücht.

Womöglich deshalb ist es dem Zürcher auch entgangen, dass seine Stadt im Grunde in der Schweiz liegt und es hier so genannte Jahreszeiten gibt. Nur so ist zu erklären, dass beim minimsten Schneefall der öffentliche Verkehr an den steilen Flanken des Üetlibergs umgehend zum Erliegen kommt.

Das Leben des Zürchers ist nicht leicht. Manchmal fallen Busse aus. Das ist zweifellos eine wichtige Nachricht, die die Ostschweiz dringend erfahren muss. Jetzt.