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Kolumne

Geniale Illusion - so verschwinden die Eritreer

Schäfli ungeschoren: Eritreer, die heimgeschickt werden sollen, lassen sich nicht einfach abstempeln.
Roland Schäfli
(Illustration: Corinne Bromundt)

(Illustration: Corinne Bromundt)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat nicht nur ein Problem. Sondern gleich 20. So viele Eritreer haben die Erlaubnis erhalten, freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren. Das ging relativ einfach: In Bern brauchte nur der Status des «Vorläufig aufgenommen» geändert zu werden in «Vorläufig abgewiesen» (anderer Stempel). Von den 2800 vorläufig Aufgenommenen aus Eritrea könnten demnächst ganze 100 abgestempelt werden. Dieser ganz zufällig schön runden Zahl dürfe man ruhig noch eine Null anhängen, finden Rechtsparteien. Obwohl der Beschluss schon Anfang Woche verkündet wurde, halten die besagten 20 sich noch immer in der Schweiz auf.

So schnell ausscheiden wie Roger Federer am US Open wollen sie offenbar nicht. Das SEM hat ihnen die Broschüre «Die schönsten Wanderrouten der Schweiz» ausgehändigt und erklärt, wie man am Handy auf Booking.com eine Unterkunft in Eritrea buchen kann. Doch bislang hat keiner freiwillig sein Bündel geschnürt. Denn: Das SEM kann keinen Zwang ausüben. Nicht einmal ein kleiner Schubser in Richtung Grenze ist erlaubt.

Um sein Versprechen nach einem speditiveren Asylverfahren umzusetzen, wollte der Bund den Rückversand der 20 analog einer Zalando-Rückgabe prüfen. Auch Tests der Auslieferung mit Amazon-Drohnen wurden erwogen. Doch nun schlagen die vorläufig Abgewiesenen die Bundesbeamten mit ihren eigenen Waffen. Sie deklarieren sich ganz einfach als «Kriegsmaterial» (anderer Stempel). Denn ihr Export fällt unter die «Prüfung der Kontrolle des Transfers von Kriegsmaterial». Ein Eritreer – selbst wenn als Zivilist exportiert – könnte in einem Bürgerkriegsland als Soldat eingesetzt werden. Bundesrat Johann Schneider Ammann hat vor, die Regeln dieser Ausfuhren zu lockern und versichert, es werde mindestens so scharf kontrolliert wie bei den Rüstungsbetrieben. Dass nicht die Falschen geschickt werden. Doch die bundesrätliche Idee verschwand so schnell in der dünnen Luft wie der Plan der Ruag, in Brasilien eine Munitionsfabrik zu bauen.

Allgemein wird angenommen, dass die 20 schneller von der Bildfläche verschwinden werden als Roman Kilchsperger am «Donnschtig-Jass». Nur dass Eritreer nach «Tschau Sepp» nicht zu Teleclub gehen, sondern in den Untergrund. Wie kürzlich jene Folklore-Truppe aus Burundi, die während des internationalen Folklore-Treffens in Freiburg immer mehr zusammen schrumpfte. Bis sich der Letzte in einem Zaubertrick vor dem staunenden Publikum selbst verschwinden liess. Trotz verschiedener Aufrufe der Behörden, Artisten in Glitzertrikots oder menschliche Pyramiden zu melden – vom Burundi-Trupp keine Spur.

Wie also macht man sich in einem kleinen Land wie der Schweiz unsichtbar? Ist im Untergrund überhaupt genug Platz für alle Untergetauchten? Kann man sich in Luft auslösen wie eine Munitionsfabrik der Ruag? Der Zaubertrick ist simpel und beruht auf der Selbsttäuschung des Zuschauers: Taucht ein Dunkelhäutiger auf, schaut der Schweizer weg, spricht ihn nicht an und behandelt ihn wie Luft – so ist es spielend einfach, unentdeckt zu bleiben. Ein beliebtes Versteck sind Orte, wo Schweizer nie hingehen. Wie kulturelle Anlässe, die von Kulturkommissionen gefördert werden. Einer der 20 hat bereits Unterschlupf in einer Walliser Werkstätte für Blinde gefunden. Die augenzwinkernd beteuern: «Wir haben niemanden gesehen.»

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