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Die Wassermelone: Woran man die besten Exemplare erkennt und warum sogar Gourmetköche von ihr schwärmen

Die Wassermelone ist gerade in diesem miesen Schweizer Sommer wichtiger denn je. Sie ist eine Nährstoffbombe, lässt sich einfach so essen oder für raffinierte Gerichte verwenden. Gourmetköche zaubern daraus Salat, Salsa, Drinks. Und sogar Pizza.

Text: Diana Hagmann-Bula, Bilder: Tobias Garcia
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Die Regenkleider werden gar nicht mehr trocken. Und die Kinder wünschten sich als 1.-August-Festmahl Pastetli, eigentlich das Weihnachtsessen. Dieser Schweizer Sommer hat vergessen, wer er ist. Da hilft nur eine: die Wassermelone. Schon nur ihre Farben tun gut. Saftiges Grün, fröhliches Rot, dazu die schwarzen Tupfen der Kerne. Fast zu schön, um reinzubeissen. Viel zu lecker aber, um es nicht zu tun. Je häufiger der Sommer gerade pausiert, desto fleissiger verdrücken wir diese runden 2,5-Kilogramm-Dinger.

Bei Kiymet Sinici vom türkischen Geschäft Sinici Market in Rorschach wiegen Wassermelonen bis zu 18 Kilogramm. Wie bereitet sie sie zu? Tipp für ein Spezialrezept? Die Frau guckt verdutzt drein und zuckt mit den Schultern: «Einfach essen und geniessen.»

Vom Meer träumen, statt in der Küche werkeln

Die Wassermelone braucht tatsächlich keinen Begleiter. Einen Teller voll zum Frühstück und (im Idealfall) damit morgens früh barfuss raus, wenn das Gras noch kühl ist, die Sonne aber schon brennt auf der Haut und einen heissen Tag ankündigt. Ein Sommerglück, dem manche ab März entgegenfiebern, wenn der Winter zäh und lang ist. Obwohl sie zu 90 Prozent aus Wasser besteht, ist die Wassermelone zuckersüss. Sie verspricht Erfrischung und Dessert zugleich. Und all das, ohne in der Küche lange werkeln zu müssen. In Schnitze und Stücke schneiden, getan ist die Arbeit. Was bleibt neben dem Schlemmen, ist viel Zeit, um vom Meer zu träumen. Doppelt gut.

Klopfen, wägen, beobachten

Sofern man im Laden das richtige Exemplar ausgewählt hat. Tönt sie dumpf und vibriert sie, wenn man auf sie klopft? Ist sie schwerer als die gleich grosse Frucht nebenan? Ist ihr Stil verholzt und nicht mehr grün? Alles Anzeichen dafür, dass die Wassermelone, die man heimtragen will, aromatisch ist. Längliche Exemplare sind eher wässerig, runde eher süss.

Und je gelber die Stelle, auf der die Melone auf dem Feld gelegen hat, umso reifer sei sie, sagen Fruchtexperten. Wobei die Wassermelone eigentlich keine Frucht ist, sondern ein Gemüse.

Sie zählt zu den Kürbisgewächsen und stammt ursprünglich aus Afrika. Heute wird sie in heissen Ländern wie Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei angebaut. Es soll über 150 Sorten geben. Die beliebtesten tragen Namen wie Sugar Baby und Crimson Sweet.

Die Produzenten reagieren mit kernarmen Sorten auf den Geschmack der Gesellschaft. Schade, denn gerade in den Kernen stecken viele Nährwerte: Eisen, Vitamin A, B und C sowie Magnesium. Ernährungsberater raten, das Fruchtfleisch nicht nur mitsamt der Kerne hinunterzuschlucken, sondern sie sogar zu kauen. Nur so werde das ganze Potenzial dieser Nährstoffbomben genutzt.

Die Wassermelone liegt nur in ihrer Buntheit da auf einem schlichten Teller und ist trotzdem einer der Stars des Sommers. Sie trumpft nicht mit Schnörkeln auf wie die Sternenfrucht oder die Ananas. Kugelrund als Ganzes, sichelförmig aufgeschnitten, basta.

Sind Kinder mit ihr fertig, halten sie sich die übriggebliebene Schale vor den Mund und bitten die Eltern, ein Foto von dem Riesenlachen zu machen. Doch die einfache Wassermelone entwickelt sich gerade zur Gourmetzutat.

Köche und Bloggerinnen erkennen viel mehr in ihr als nur eine Frucht, die man zum Zmorge oder Zvieri geniesst. Sie verarbeiten sie zu Suppe, Salsa und Salat. Fertig also mit dem unbeschwerten Schlabbern und Schlürfen, das Teil des Wassermelonenvergnügens ist. Nun wird die Sommerfrucht akkurat mit Gabel und Messer vertilgt und tropft es doch mal, beseitigt die Serviette augenblicklich die Spuren des leichtsinnigen Genusses.

Als Salsa zu grilliertem Fisch

Auch wenn man die Wassermelone in ihrer puren, einfachsten Form anhimmelt, muss man doch zugeben, dass an vielen dieser Kreationen etwas dran ist. Ziemlich viel dran sogar. Und hier ist nun nicht die Rede vom seit letztem Jahr auf Blogs omnipräsenten Wassermelonen-Feta-Salat, den manche schon fast nicht mehr essen können, wie eine kleine Umfrage im Bekanntenkreis zeigt.

Neuerdings geniessen wir die Wassermelone mit Zitrone und Basilikum als alkoholfreien Aperitif. Mit Kichererbsen, Gurken, frischen Kräutern und Zitronendressing wird sie ein wunderbar sommerlicher und trotzdem nährender Salat. Der israelische Starkoch Yotam Ottolenghi empfiehlt stattdessen, die Frucht mit Apfel, Limette und ein paar gerösteten Nüssen zu servieren. Viele erachten hingegen Wassermelone und Tomaten als die Königskombination. Voilà: Wassermelone, Tomaten und rote Zwiebeln in Stücke schneiden, etwas Öl und Salz und Pfeffer dazugeben, schon hat man eine Sauce, die gut zu grilliertem oder geräuchertem Fisch passt.

Pizza mal anders

Mutige verwandeln die Wassermelone in eine Pizza. Rohschinken, Mozzarella und etwas Balsamico drauf, für jene, die es salzig mögen. Kommt man nicht ohne Feta aus, möchte aber den hippen Salat meiden: den Schafskäse zerbröckeln, schwarze Oliven ohne Stein nehmen, auf die Pizza (nicht mehr als ein dreieckiges Stück Wassermelone) geben, mit Olivenöl und Gewürzen beträufeln. Schleckmäuler belegen das Fruchtstück mit griechischem Joghurt und Beeren. Viele Rezepte sind simpel und einfach umsetzbar. Etwas bang wird es der Köchin nur beim Schneiden. Eine Kugel mit rund 30 Zentimeter Durchmesser in perfekte, ebene, unzerfranste zwei Zentimeter dicke Scheiben zu verarbeiten, ist gar nicht so einfach. Und doch nötig, für den perfekten optischen Auftritt auf dem Teller.

Sogar grilliert wird die Wassermelone nun. Tönt abenteuerlich, schmeckt auch so, zumindest die Nachtisch-Variante. Ein paar Minuten nur kommt die Wassermelone auf den Grill und mit fotogenen dunklen Streifen wieder runter. Brauner Zucker soll nun den Geschmack verstärken. Zu süss, finden die einen. Nicht mehr knackig und zu pampig, meinen die anderen. Mit Olivenöl, etwas Salz und Chiliflocken verfeinert, freundet man sich schon eher mit der heissen Wassermelone an.

Ein kulinarischer Exkurs vielleicht, bestimmt aber nicht alltägliche Liebe.

Und wozu servieren? Zu allerlei Grillgut und Halloumi, raten Bloggerinnen. Ihnen scheint die Wassermelone alleine nicht mehr sommerlich genug zu sein. Man kann es ihnen nicht verübeln, in diesem verregneten Schweizer Sommer.


Wassermelonen-Drink (für vier Personen)

Zutaten

  • 1 Kilogramm Wassermelone, in Stücken
  • 1 Limette, nur Saft
  • 3 Basilikumblätter

Zubereitung

  • Melone und Limettensaft im Mixer pürieren.
  • Flüssigkeit durch ein Sieb streichen und zurück in den Mixer geben.
  • Kräuter beigeben und nochmals pürieren. Kühl stellen bis zum Servieren.

Wassermelonen-Kichererbsen-Salat

Zutaten

  • 1 Kilo Wassermelone, in Würfeln (ergibt etwa 800 g geschält)
  • eine halbe Gurke, gewürfelt
  • 400 g Kichererbsen (gekocht oder aus der Dose), abgespült, abgetropft
  • 1 Bund Koriander, fein geschnitten
  • 2 EL Olivenöl
  • 2 EL Aceto balsamico
  • 2 Zitronen, nur der Saft
  • 2 Prisen Chiliflocken
  • 1 TL Salz
  • 4 EL geröstete Mandeln

Zubereitung

  • Wassermelone und Gurken in Würfel schneiden.
  • Kichererbsen und Koriander dazu geben.
  • Olivenöl, Balsamico, Zitronensaft, Chiliflocken und Salz zu einer Sauce mischen.
  • Mandeln zerstossen.
  • Dressing über den Salat träufeln und mit den zerstossenen Nüssen bestreuen.

Wassermelonen-Pizza (für 10 Personen)

Zutaten

  • 1 Wassermelone
  • 200 g Mozzarella
  • 200 g Feta
  • 200 g Rohschinken
  • 60 g entsteinte schwarze Oliven
  • 1 Bund Basilikum
  • Crema di Aceto balsamico
  • Pfeffer

Zubereitung

  • An der dicksten Stelle der Wassermelone fünf zwei Zentimeter dicke Scheiben abschneiden und auf Tellern anrichten.
  • Die Melonenscheiben in je sechs bis acht Stücke trennen.
  • Feta zerbröseln, Mozzarella zerreissen, Rohschinken in Streifen, Oliven in Ringe schneiden.
  • Feta mit Oliven auf einige Stücke geben, Mozzarella mit Rohschinken auf die anderen oder Zutaten je nach Vorliebe mixen.
  • Mit Basilikum belegen, mit Crema di Aceto balsamico beträufeln und mit frisch gemahlenem Pfeffer bestreuen.

Wassermelonen-Salsa

Zutaten

  • 500 g Wassermelone
  • 250 g Datteltomaten
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 rote Chilischote
  • Saft einer Limette
  • Salz 
  • Pfeffer 
  • 4 EL Olivenöl

Zubereitung

  • Wassermelone, Tomaten und Zwiebeln würfeln. Chili hacken.
  • Alles mischen und mit dem Saft einer Limette, Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Vor dem Servieren 4 EL Olivenöl unterrühren. Die Salsa passt gut zu grilliertem oder geräuchertem Fisch.