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Kolumne

Feldpost: Ja nicht das schwächste Glied in der Kette sein!

Eine nächtliche Übung in der Rekrutenschule hat auch seine positiven Seiten: Chiara Zgraggen erzählt von Motivation, Ehrgeiz und Stolz.
Chiara Zgraggen
Rekrutin und Journalistin Chiara Zgraggen schreibt für unsere Zeitung eine Kolumne über ihren Alltag in der Rekrutenschule. (Bild: Dominik Wunderli, 19. Januar 2019)

Rekrutin und Journalistin Chiara Zgraggen schreibt für unsere Zeitung eine Kolumne über ihren Alltag in der Rekrutenschule. (Bild: Dominik Wunderli, 19. Januar 2019)

«Übung Aeroporto». Zwei Wörter, die in jedem Sanitätsrekruten verschiedene Gefühle auslösen. Angst. Vorfreude. Überhaupt keine Vorfreude, schierer Hass. Was die Übung Aeroporto beinhaltet? Einen sieben Kilometer langen Nachtmarsch mit anschliessender Gefechtsübung. Obwohl Nachtmarsch eher als irreführend zu bezeichnen ist – schliesslich findet die Übung lediglich bis 1 Uhr morgens statt.

In mir löst die bevorstehende Übung Vorfreude wie auch Angst aus. Als einzige Frau in einem Zug unter gut 30 Männern habe ich ständig das Gefühl, mindestens mit dem besten Drittel mithalten müssen zu können. Trotz mittelschwerem Asthma. Wäre ich das schwächste Glied, was würden nur meine Kameraden und Vorgesetzten von mir denken? Und auf dem Marsch Gepäck abgeben? Ui nein, ich will doch kein Ballast für die anderen sein.

Doch bevor die Übung starten kann, verschieben wir mittels Laster ins nahegelegene Ambri. Die Fahrt als Viehtransport zu bezeichnen, ist ziemlich passend. Dicht zusammengepfercht sitzen wir in einem Laster, den Kampfhelm der Kameraden drückend auf den Lenden. Ob dieser Transport Suva-tauglich ist, wagen meine Mitrekruten und ich zu bezweifeln. So sitzen wir rückwärts, während die Kaserne vor unseren Augen immer kleiner wird, bis sie am Horizont kaum verschwindet. Obwohl unbequem, schlafe ich innert Sekunden auf den Knien des Kameraden hinter mir ein.

Am Zielort angelangt, geht’s los. Wir werden in kleinere Gruppen aufgeteilt und mit Decken, Sanitätsbahren und Lichtwesten eingedeckt. «Am Anfang die Bahre zu tragen, gibt mir die Möglichkeit, die anfängliche Energie optimal zu nutzen», denke ich mir und schwinge mir diese über die Schultern. Meine Kameraden, besorgt um meine Asthmakrankheit, möchten mir diese gleich wieder entreissen. Nach kurzem Protest meinerseits ist die Sache aber geritzt: Ich werde die Bahre tragen. Zumindest für die ersten gut 800 Meter.

Als zweitletzte Gruppe schreiten wir mit einem unserer Gruppenführer in die Dunkelheit. Den Tipp, auf Märschen nie still zu sein und einfach über irgendetwas zu plaudern, setzten wir sofort in die Tat um. So sprechen wir über Sternbilder, Bücher, Serien. Schnell ist die Gruppe vor uns überholt, die nächsten Gruppen rücken näher. Vor lauter Gesprächen merken wir gar nicht, wie schnell wir die Kilometer hinter uns lassen. So gelangen wir alsbald zum Zwischenverpflegungsstand – dieser Punkt bedeutet, dass wir bereits die Hälfte des Marsches hinter uns gebracht haben. Ungläubig stehen wir da, trinken Tee und nähren uns von Bananen und Militärschokolade.

Als die Gruppe, deren Licht uns die letzten Meter vor dem Halt geblendet hatte, sich wieder auf den Weg macht, erklingt die Stimme unseres Gruppenführers. «Seht ihr das Licht der Gruppe vor uns?», will er wissen. «Wollt ihr dieses genauso wenig wie ich noch einmal von hinten sehen?» Diese Worte genügen, um die Motivation und den Ehrgeiz in uns zu wecken. Noch mit der Teetasse in der Hand laufen wir wieder los. Augenblicklich lassen wir das Rücklicht und somit die Gruppe hinter uns. Dies spornt noch mehr an – so sehr, dass wir alsbald noch eine Gruppe überholen.

Das Versprechen des Gruppenführers, uns ein Bier zu spendieren, sollten wir auch die erste Gruppe zu überholen vermögen, treibt die Motivation auf ein Maximum. So marschieren wir nicht mehr, sondern sprinten regelrecht an unseren Kameraden vorbei an die Spitze. Besorgt, aber (wahrscheinlich auch ein wenig) stolz fragt der Gruppenführer immer wieder bei jedem Einzelnen, ob alles in Ordnung sei. Diese Fürsorge verleiht die nötige Sicherheit, näher ans Limit zu gehen. Ans Ziel haben wir es übrigens leider nicht als erste Gruppe geschafft – auf den letzten Metern hat unser vorderster Mann vor lauter Euphorie die Abzweigung verpasst. Das Bier gab’s dann zwei Tage später dennoch. Rekrut Zgraggen meldet sich ab!

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