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Kolumne

Feldpost: Als Frau in die Armee - ein feministischer Akt?

Rekrutin Zgraggen reflektiert über Feminismus im Militär. Und sagt, weshalb sie der Meinung ist, dass der Militärdienst entweder für beide Geschlechter freiwillig - oder aber für beide obligatorisch sein soll.
Chiara Zgraggen
Chiara Zgraggen schreibt in ihrer Kolumne über ihren Alltag in der Rekrutenschule.

Chiara Zgraggen schreibt in ihrer Kolumne über ihren Alltag in der Rekrutenschule.



In keinem europäischen Land ist die Frauenquote in der Armee derart tief wie in der Schweiz. Der Bundesrat bedauert den Anteil von gut einem Prozent. Daniel Baumgartner, derzeit noch zuständiger Korpskommandant für Ausbildung und Grundbereitschaft der Armee, sagte gegenüber «10 vor 10» im Januar gar, dass er den Anteil Frauen in der Armee auf zehn Prozent anheben möchte. Yvette Estermann, Luzerner SVP-Nationalrätin, will dem mit einer Motion gegensteuern. Das Ziel der 53-Jährigen: Die Pflicht für den Orientierungstag auch für Frauen. Dies würde meiner Ansicht nach nicht viel bringen. Der Orientierungstag hat nichts mit der Attraktivität des Militärdienstes an sich zu tun und kann dieser eben schaden.

Während meines Orientierungstags lernte ich fast nur junge Männer kennen, die sich Tipps austauschten, wie sie der Militärdienstpflicht entfliehen können. Dann gab es noch diejenigen, in deren Augen Frauen gar nicht ins Militär gehören und mir versuchten weiszumachen, dass ich es doch sowieso nicht mit ihresgleichen aufnehmen könne.

Vielmehr muss Frauen aufgezeigt werden, dass die Armee sie persönlich fördert. So sind beispielsweise mein Selbstbewusstsein und mein Selbstwertgefühl in diesen Wochen gestiegen. Ich weiss, dass ich als Frau gleich viel wert bin und gleich viel kann wie ein Mann. Die Gesellschaft bläut Frauen noch immer ein, doch nicht ganz gleich zu sein wie Männer. Das beginnt bereits in Kindertagen: Weshalb ist denn zum Beispiel ein Superheld meist männlich? Und nicht umsonst schätzen Mädchen ihre schulischen Fähigkeiten viel geringer ein als ihre männlichen Freunde, welche sich meist überschätzen. Dem wirkt der Militärdienst meiner Meinung nach entgegen.

Wichtig anzumerken ist jedoch, dass Ungleichberechtigung auf beide Seiten herrscht. Dies sehe ich derzeit ja täglich, da meine Kameraden alle unfreiwillig 300 Tage ihres Lebens für den Bund aufopfern müssen. Meiner Ansicht nach soll der Militärdienst für beide Geschlechter freiwillig oder obligatorisch sein. Es ist nicht fair, dass die Hälfte der Gesellschaft 300 Lebenstage für den Bund hergeben muss, während die andere Hälfte einer normalen Arbeitstätigkeit, Reisen oder sonstigen Vergnügungen nachgehen kann. Feminismus bedeutet nämlich Gleichberechtigung für beide Seiten. Dies ist mitunter ein Grund, weswegen ich mich für die Rekrutenschule angemeldet habe. Wie soll ich denn glaubwürdig vertreten, dass Frauen in gewissen Punkten Männern nicht unterlegen sind, wenn ich nichts gegen den Nachteil der Männer tue?

Man könnte natürlich argumentieren, dass meine Absolvierung der Rekrutenschule hier nichts ändert. Das stimmt auch vollkommen. Dennoch ist es mein persönlicher Beitrag für mehr Gleichberechtigung. Ob die Frauenquote durch einen weiblichen Chef in der Armee angehoben werden kann, ist meiner Meinung nach fraglich. Es könnte aber als Vorbild für junge Frauen dienen. So könnte ihnen aufgezeigt werden, dass man es als Frau an die Spitze eines Unternehmens bringen kann – sei dies nun in der Schweizer Armee oder als CEO einer Bank.

Chiara Zgraggen (21) absolviert von Januar bis Mai die Sanitätsrekrutenschule in Airolo. Im Zweiwochenrhythmus schreibt sie an dieser Stelle über die Erfahrungen während der Militärzeit.

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