Kolumne

Federer, Ammann und… Städler

Roger Federer und Simon Ammann werden in diesem Sommer 39-jährig. In diesem Alter hat sich fast jeder Spitzensportler zur Ruhe gesetzt und ist als Trainer oder Co-Kommentator im Einsatz.

René Bühler
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Unser Kolumnist René Bühler.

Unser Kolumnist René Bühler.

Benjamin Manser

Vielleicht halten Federer und Ammann aber auch so lange durch wie Christian Städler, der mit 43 Jahren noch immer beim Fussballverein Fortuna St.Gallen in der 3. Liga mit Kollegen zusammenspielt, die seine Söhne sein könnten.

Als Federer und Ammann den ersten Geburtstag feierten, sang der österreichische Chansonnier Rainhard Fendrich seine Hymne «Es lebe der Sport». Wahrscheinlich muss man seinen Sport mit Haut und Haaren leben und lieben, damit man diesen während Jahrzehnte auf einem solch hohen Niveau ausüben kann. Natürlich braucht es Talent, Durchhaltevermögen und etwas Glück, aber das alles reicht nicht.

Feuer für den Sport

Man spürt in jedem Interview der beiden «Dekadensportler», dass sie das Feuer für ihren Sport nie verloren haben. Federer hätte finanziell längst ausgesorgt, aber er spielt einfach zu gerne Tennis, als dass er ans Aufhören denken mag. Bei ihm gewinnt man den Eindruck, dass ihm sein Körper irgendwann das entscheidende Zeichen zur Beendigung seiner grossartigen Karriere geben wird. Ammann hat bestimmt auch einiges zur Seite gelegt, aber das war kein Argument, um seine Karriere nicht fortzusetzen. Wenn er uns einen Sprung erklärt und wir nicht verstehen, was er damit meint, hört man seine pure Begeisterung für die Sportart Skispringen, in welcher er vierfacher Olympiasieger wurde. Und Christian Städler…, er könnte seit Jahren bei den Senioren spielen, aber das ist ihm zu wenig, er möchte wissen und ausreizen, was für ihn noch möglich ist. Er weiss ganz genau, wo seine Grenzen sind, aber er kann sich über eine tolle Aktion oder ein Tor immer noch freuen wie vor 20 Jahren.

Federer, Ammann und Städler sind Familienväter, sie haben also ein reichlich erfülltes und spannendes Leben mit Herausforderungen – auch neben dem Sport. Natürlich hinkt der Vergleich von Federer/Ammann zu Städler ein wenig, oder doch nicht? Ist nicht bei allen drei Sportlern die Begeisterung im Zentrum ihres Wirkens? Städler war vor 15 Jahren «Torschütze vom Dienst» beim FC Altstätten in der 1. Liga. Er zeigt seit vielen Jahren, was auch in fortgeschrittenem Fussballalter noch möglich ist, wenn man sich fit hält, jedes Training besucht und bereit ist, für seinen Sport etwas zu leisten. Er ist Fussballer durch und durch, man kann sich ihn auf dem Golfplatz nicht vorstellen. Es gibt diesbezüglich also keinen Unterschied zwischen Federer, Ammann und Städler.

Sie treten dann zurück, wenn sie es als richtig empfinden

Vielleicht ist aber auch der Reiz besonders gross, nicht «zum alten Eisen» zu gehören. Das ist nicht verboten und soll vielmehr die jungen Spieler anspornen. Eines ist sicher, alle drei machen Freude auf dem Tenniscourt, der Sprungschanze und auf dem Fussballplatz und keinem von ihnen muss man je sagen, wann es Zeit ist, Adieu zu sagen. Sportler mit dieser Ausstrahlung und Begeisterung treten dann zurück, wenn sie für sich im stillen Kämmerlein den Zeitpunkt als richtig empfinden, auch wenn sie von Journalisten zum Rücktritt geschrieben werden.

Dies passiert seit vielen Jahren auch dem 53-jährigen Kazuyoshi Miura, der mit seinem Verein FC Yokohama in die oberste japanische Liga aufgestiegen ist und für die neue Saison erneut einen Profivertrag unterschrieben hat. Sportler mit der Begeisterung und dem Feuer von Federer, Ammann, Miura sowie Städler sind Vorbilder für unsere Jugend. Wir empfehlen, ihnen nachzueifern.

Kolumne

Bierduschen müssen nicht sein

Es ist eine Freude, die mehrheitlich jungen Anhänger in den Fankurven zu erleben. Mindestens jene Mehrheit, die sich so verhält, wie man sich dies ­vorstellt. Die Fans singen, tanzen, schwenken Fahnen, und während der Woche arbeiten sie stundenlang an ihren Choreos. Diese Fans sind ein Gewinn für jeden Verein.
René Bühler