Kolumne

Fasnachtsmuffels Geständnis

Einblicke - unser Autor outet sich als Fasnachtsmuffel. Und erzählt, wie er dazu geworden ist. 

Romano Cuonz
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Romano Cuonz

Romano Cuonz

«Nur an der Fasnacht ist noch alles erlaubt», trompetet Stammtischkollege Wisi in kakofoner Lautstärke. Dann meldet er sich für eine närrisch lange Woche ab. Seine vorläufig letzten Worte: «Wetten, dass ihr mich nicht mehr kennt!» Und ich? Nun, mir wird nur schon beim Gedanken an Abertausende Konfettischnipsel in Haaren und Kleidern angst und bange. Ja: Ich bin ein hoffnungsloser Fall von Fasnachtsmuffel!

Jeder wird aus irgendeinem Grund, wie er ist. Nicht mit einem Urknall beginnt meine Geschichte. Vielmehr mit einem Urerlebnis: Die Lehrerin, eine gütige Klosterfrau, verspricht uns Erstklässlern: «Die bravsten Knaben und Mädchen dürfen sich an der Fasnacht in richtig kleine ‹Negerli› verwandeln.» Das möchte ich! Und ich weiss auch, worauf’s ankommt. Ab sofort stecke ich jeden Räppler, den mir Mutter fürs Posten gibt, ins Kässeli der Schwester. Drauf kniet ein darbendes «Negerli», das bei jeder Münze mit dem Kopf nickt. Genau wie die zufriedene Klosterfrau.

Ein Mädchen mit lockigem Haar und ich schaffen es: Wir dürfen schwarze Pullover, Strumpfhosen und lustig gelbe Baströcklein anziehen. Unsere Köpfe malt die Schwester schwarz an. Die Lippen feuerrot! Voll Stolz ziehen wir von Haus zu Haus. Ein nettes Sprüchlein rührt die Leute zu Tränen. Deshalb lassen sie das mitgebrachte «Kassennegerli» Mal für Mal nicken. Obendrein gibt’s oft noch «Chräpfli» oder «Schoggeli» für uns arme Schweizer «Negerli». Und wie wir abends mit prallvollem «Kässeli» den Rückweg antreten, fragt mich das hübsche «Negermädchen» neben mir ganz andächtig: «Möchtest du mich heiraten?»

So ein romantisches Erlebnis wäre heute undenkbar. Rassistisch gar! Wohl deshalb wurde ich zum Fasnachtsmuffel. Apropos: Dabei leistet mir ausgerechnet der Winter beste Gesellschaft. Auch der hat sich abgesetzt, noch bevor «Guuger»-Wisi ihn laut trompetend austreiben kann.