Experten an die Front

Alternative Staatsführung durch den geschickten Einsatz
von Fachleuten. Eine Zukunftsvision. 

Sasa Rasic
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Sasa Rasic

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Gespannt hat man auf den Schachzug der neuen Ver­teidigungsministerin Viola Amherd gewartet. Denn mit ihrem Vorhaben, eine Zweit­meinung zum Expertenbericht «Luftverteidigung der Zukunft» einholen zu wollen, sorgte sie für einige Stirnrunzeln. Ein Experte «unabhängig von der Armee und unabhängig von der Industrie» sollte es sein. Also ein Experte, der so unabhängig ist, dass er am besten keine Ahnung vom Ganzen hat. So jedenfalls die zahlreichen Unkenrufe, die im Nachhinein Lügen gestraft werden sollen.

Amherd hat den Experten diese Woche zwar nicht aus dem Hut, aber praktisch aus der dünnen Luft (des Weltalls) gezaubert. Es ist der ehemalige Astronaut und Militärpilot Claude Nicollier. Er soll nun untersuchen, ob der Bundesrat mit den beschlossenen 8 Milliarden Franken für neue Kampfjets und Boden-Luft-Raketen richtig gelegen ist. Eine gute Wahl, wenige Schweizer haben das grosse Ganze mit derartiger Distanz gesehen.

Dieses Denken über den Tellerrand hinaus muss doch auch in anderen Bereichen funktionieren, wo die Situation verfahren scheint. Als Erstes fällt einem dabei die Verhandlungen um ein Rahmenabkommen mit der EU ein. Für diese Herkules-Aufgabe braucht es sicher einen knallharten, abgebrühten Macher – einer der taktisch versiert jegliche Vorteile für die Schweiz rausholt. Aber es braucht auch einen Sympathieträger, einen, der die Gegenseite bei der Stange hält und dem man nicht böse sein kann. Darüber hinaus sollten beide im EU-Raum gewirkt haben.

Selbstverständlich bräuchte es dafür ein grösseres Casting, aber frisch von der Leber weg kann es eigentlich nur ein ganz besonderes, dynamisches Duo sein: Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann und Musiker DJ Bobo. Die EU hätte keine Chance und müsste sich praktisch ergeben.

Natürlich besteht damit die Gefahr für grössere Auswirkungen für unseren Staat. Setzt sich diese Art leistungsorientierter Beförderung durch, könnte bald ein Tabu gebrochen werden und die Schweiz würde – sogar freiwillig – zur Monarchie werden. Denn jegliche demokratischen Bedenken aller politischen Gruppierungen fallen spätestens, wenn der rote Teppich für König Roger I. (ehemals bekannt unter dem Familiennamen Federer) ausgerollt wird. Und er unter dem einstimmigen Jubel aller Bürger seinen aus 100 siegreichen Turnier-Tennisschlägern gezimmerten Thron im Bundespalast in Bern besteigt.