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Es ist zum Heulen

Grün-Fieber in den deutschen Medien: Wer ist Robert Habeck und weshalb sind fast alle Journalisten in ihn verliebt?
Christoph Reichmuth, Berlin
Christoph Reichmuth

Christoph Reichmuth

Diese Woche konnte man in irgendeiner deutschen Zeitung den Satz lesen: «Alle elf Minuten verliebt sich ein Journalist in Robert Habeck.» Robert Habeck ist Co-Vorsitzender der deutschen Grünen.

Der 49-jährige Intellektuelle – er ist promovierter Philosoph und Buchautor – hat der Ökopartei zum Höhenflug verholfen. Die Grünen kommen landesweit auf Werte um die 20 Prozent. Mehr als die stolzen Sozialdemokraten. Viel mehr. Der lustige Satz, der sich an der Werbung einer Single-Börse anlehnt, ist eigentlich nur halb lustig zu verstehen. Journalisten sollten sich nicht in Politiker verlieben. Journalisten müssen Distanz wahren. Der Satz sollte also zum Ausdruck bringen, dass es den deutschen Journalisten an Distanz fehlt, wenn sie über Robert Habeck berichten. Ich muss zugeben: Hat was. Die Grünen sind der Knüller momentan. Vorneweg der eloquente Habeck. Auch die Journalisten der «Bild am Sonntag» sind vom Habeck-Virus infiziert. Das Interview mit dem Super-Grünen haben die «Springer»-Leute mit «Was den Grünen-Chef zum Weinen bringt» überschrieben. Ich schätze mal, dass die gleichen Journalisten den AfD-Chef Alexander Gauland nicht danach fragen würden, was diesen zum Weinen bringt. Sie würden eher darüber berichten, warum die AfD sie zum Heulen bringt.

Der «Spiegel»-Kolumnist Stefan Kuzmany hat sich mit dem Habeck-Hype auseinandergesetzt. «Ich kann Robert Habeck nicht ausstehen. So, jetzt ist es raus», schreibt Kuzmany zu Beginn. Und macht fortan deutlich, dass ihn diese Habeck-Verehrung vieler Journalisten nervt. «Meine Abneigung ist gänzlich unpolitisch. Habeck ist gebildet, sagt immer das Richtige und verkörpert den modernen Mann: soft, aber doch bestimmt. Zart, aber auch hart, wenn’s drauf ankommt. Mit anderen Worten: unerträglich.»

Vielleicht ebbt dieser Hype ja irgendwann wieder ab. Ist ja oft so, mit der Zeit wird man jenen überdrüssig, die zu lange in den Himmel gelobt werden. Mit mir persönlich hat es Habeck schon verscherzt – wenigstens ein bisschen. Auf meine Interviewanfrage gab er mir einen Korb. «Vielen Dank für Ihre Anfrage, über die wir uns sehr gefreut haben. (...) müssen wir jedoch für den Moment absagen», beschied mir seine Pressesprecherin.

Irgendwann wird es klappen mit dem Interview. Dann frage ich ihn nicht, was ihn zum Heulen bringt. Was mich allerdings schon interessieren würde: Wie kriegt der eine Frisur hin, die ihn verwegen und zugleich seriös erscheinen lässt?

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