Einmal Menschlichkeit mit allem, bitte!

Oder wie ein Döner mit allem zu einem frustrierten Ich führen kann.

Klara Becker (15), Kantischülerin
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Klara Becker

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Neulich hatte ich Lust auf einen Döner. Und schon hatte ich ein Problem: Denn die nächste Stunde verbrachte ich damit, mir Antworten auf «Zum Mitnehmen? Welche Sauce? Scharf?» zu überlegen, nur um am Schluss doch wieder völlig verwirrt «mit allem» zu bestellen. Ergebnis: frustriertes Ich und kein feiner Döner. Mein Perfektionismus steht mir oft im Weg. Und trotzdem wäre ich doch gern so perfekt wie ein durchoptimiertes Social-Media-Profil: makellos, bei allen beliebt und niemals in Verlegenheit. Das ideale Leben sieht so verlockend einfach aus.

Das ständige Streben nach dem Optimum hat unsere Spezies Mensch ja auch weit gebracht. Wo wären wir, wenn der Mensch mit dem Höhlendasein zufrieden gewesen wäre? Ein bisschen Idealismus macht uns aus und ist Grundlage aller weltverändernden Erfindungen. Im Alltag allerdings ist er hinderlich.

Denn ein wirklicher Perfektionist kann niemals glücklich sein mit dem, was er hat. «Perfekt» ist nämlich wie die Nachkommastellen von Pi: unendlich. Weil es ja immer noch einen Tick besser ginge. Und lohnt es sich wirklich, seine Lebenszeit damit zu verbringen, nach dem Unmöglichen zu streben und immer wieder von der eigenen Imperfektion enttäuscht zu werden?

Auch spontane Gefühle sind ein Fremdwort für Perfektionisten. Sie sind nämlich viel zu beschäftigt damit, permanent alle möglichen Überraschungen einzukalkulieren. Und das ist definitiv kein perfektes Leben. Fehler zu machen und Gefühle zu haben: Das macht das Menschsein doch aus. Und die schönsten Momente erlebt man sowieso spontan. Deshalb werde ich mir einprägen: Mensch sein. Nächstes Mal zum Asiaten gehen, spontan etwas bestellen, das auf dem Bildchen gut aussieht und sich trauen, Essstäbchen auszuprobieren. Die kann eh niemand auf Anhieb perfekt benutzen.

Hinweis

In der Kolumne «U20» äussern sich Schüler der Kanti Sursee zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.