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Ein Vitaparcours für die Liebe

Unsere Kolumnistin begibt sich mit ihrem neuen Lieblingsmenschen auf den Blattner-Liebesweg. Dabei geht es zu ihrer Überraschung so ziemlich ans Eingemachte.
Blanca Imboden
Kolumnistin Blanca Imboden.

Kolumnistin Blanca Imboden.

Heute reden wir mal wieder übers Wandern. Oder über die Liebe. Genau genommen über beides, in Kombination.

In der Schweiz gibt es weit über 700 Themen-Wege. Einige davon findet man hier: www.themenwege.ch. Fast vor meiner Haustüre liegt der Ameisiwäg , der von Rickenbach SZ zum Tschütschiwald führt, und die Besucher in die geheimnisvolle Welt der Ameisen entführt. In Schindellegi findet man den Bunker-Geschichtslehrpfad Etzel, der sicher wieder ganz andere Menschen anspricht. Mein persönlicher Lieblingsweg ist natürlich der Eichhörnliweg in Arosa. Eichhörnchen und Vögel fressen einem dort aus der Hand.

Diese tierischen Begegnungen machen mich jedes Mal glücklich.

Unter richtigen Wanderfreaks sind Themen-Wege etwa so viel wert, wie bei den Literaturfreunden die Groschenromane. Ich habe jedenfalls noch nie einen meiner Wanderfreunde auf einem Themen-Weg angetroffen. Einer davon meinte:

«Das sind meist minderwertige Spazierwege, die man mit irgend einem Thema aufpeppt und dann als coole Idee verkauft. Reines Marketing. Höchstens etwas für Familien mit Kinderwagen.»

Egal. Ich bin ein Wander-Weichei. Für mich zählen nicht die geleisteten Höhenmeter. Bei mir geht es um Bewegung in der Natur, am besten an der Sonne, noch besser in guter Begleitung. Natürlich will ich manchmal auch auf einem Berggipfel stehen und herrliche Aussichten geniessen. Alles zu seiner Zeit.

Jetzt, wo ich neu verliebt bin, drängte sich natürlich ein besonderer Themen-Weg geradezu auf: Der Blattner-Liebesweg. Von der Hochzeitskirche St. Jost LU aus könne man etwa zwei Stunden lang eine Art Vitaparcours für seine Beziehung machen, hiess es im Internet. Der Weg lade zur Reflexion über die eigene Liebe ein. Auch ein Paartherapeut habe am Weg mitgearbeitet.

Es geht um Sex, Lebensziele und unerfüllte Wünsche

Mein Lieblingsmensch und ich stürzen uns also ins Abenteuer. Und siehe da: Der Liebes-Weg vermittelt tatsächlich nicht bloss Infos oder erzählt Geschichten von der Liebe. Nein, das ist eine Art Freiluft-Workshop. Bereits an der ersten Station, wo wir gemeinsam in einen Spiegel schauen und uns gegenseitig fragen sollen: «Was magst du an mir? Was an mir fordert dich?», ist uns klar, dass dies eine Herausforderung wird. (Hier könnte man noch gut umkehren.) Wenn man sich darauf einlässt, redet man später über Vertrauen, und führt sich gegenseitig blind über den Waldweg. Irgendwann wird man zu offenen Gesprächen über die Sexualität aufgefordert. Dann wieder geht es um Lebensziele und unerfüllte Wünsche. Der Weg zwingt zu tiefschürfenden, nachhaltigen Gesprächen.

Uns hat der sonnige Liebes-Spaziergang gefallen. Wir haben so intensiv diskutiert, dass wir – ich muss gestehen – zwei Station gar nicht gesehen und somit ausgelassen haben. Viele Paare möchte man geradezu zwingen, sich auf diesen Weg zu begeben. Aber es ist wohl wie immer: Am Ende lassen sich nur die Paare darauf ein, welche diese Impulse (noch) nicht nötig hätten.

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