Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kolumne

Ein Tag zum Sterben?

Die Geschichte des Tages, an dem ich nicht von Zecken aufgefressen wurde.
Céline Graf
Bild: PD/Simon Grünig

Bild: PD/Simon Grünig

Es war ein regnerischer Tag. Im Feierabendverkehr kroch der Bus die Strasse entlang. Durch die Wassertropfen auf der Scheibe schweifte mein Blick über die Autos, das Gewusel auf dem Trottoir, die Cafés, die Läden. Bei einer digitalen Tafel, die das aktuelle Datum anzeigte, stutze ich – und erschauderte.

Da jener Tag, der 21. Mai, ein Dienstag war, leuchteten vor dem Datum die Buchstaben «DIE» auf. Ohne Absicht hatte ich allerdings nicht die Abkürzung von Dienstag gelesen, sondern das englische Wort für Sterben, «die». Ich grübelte, weshalb da STERBEN 21.5.» oder «STIRB 21.5.» stand.

Ich hatte doch gar nichts Gefährliches vor heute. Wäre heute zum Beispiel Samstag, hätte es ja sein können, dass ich auf dem Heimweg von einem Musikfestival auf einem Berg im stockdunklen Wald in ein Erdloch gefallen oder von einer Horde Zecken aufgefressen oder von einem Fahrrad umgemäht worden wäre.

Es war aber immer noch Dienstag, der 21. Mai, der Bus fuhr viel zu langsam für einen Unfall und alles, was ich heute noch vor hatte, war Pilates. Das ist eine Kräftigungssportart auf weichen Matten. Keinerlei ungesunde Bewegungen.

Wikipedia beruhigte mich: Unter «Ereignisse» am 21. Mai listet das Lexikon eine stattliche Anzahl Todesfälle, Morde, Schlachten und Katastrophen auf. Die Anzeigetafel hatte sich offensichtlich im Jahr geirrt. Heute war einfach nur ein regnerischer Tag.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.