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Kolumne

"Tatort": Ein Staat im Staat

Im letzten "Tatort" vor der langen Sommerpause ermittelt das Münchner Duo Batic/Leitmayr.
Julia Stephan

«Deutschland ist kein Staat. Deutschland ist eine GmbH», sagt Ludwig Schneider. Er sagt das fest und laut. Die Schar aus Aussteigern, die genug hat von diesem Deutschland, applaudiert. König Ludwig glaubt, was er sagt. Er ist Anführer der Freiländer, einer Gruppierung, die sich in einem Nest in Niederbayern ein eigenes Reich baut – mit eigenen Gesetzen. Ehrlicher, schöner und vor allem deutscher soll es sein, dieses Freie Land, das auf den Spezialstatus des Freistaats Bayern im föderalistischen Gefüge Deutschlands anspielt.

Eine ermittlungstechnische Herausforderung für die Münchner Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl), die ein Todesfall in dieses Idyll verschlägt. Denn die Freiländer anerkennen nur die Selbstjustiz und nicht die des Staates, den sie zur GmbH erklärt haben.

Auf dieser Grundlage schafft Regisseur Andreas Kleinert eine märchenhaft verträumte Story, in der Parallelen zum Wahnsinn des bayrischen Märchenkönigs Ludwig II. Akzente setzen. Der Film könnte aber genauso ein Western sein. Denn die von König Ludwig aus dem Hartz-4-Sumpf gezogenen und wieder aufgerichteten Freiländer Männer schiessen lieber auf Bierflaschen, als aus ihnen zu trinken. Und auch im Gewand der griechischen Tragödie macht diese Story eine gute Figur. Ausgerechnet ein blindes Mädchen durchblickt die Wahrheit, die der Rest nicht sehen will.

Ein unterhaltsames und abgefahrenes Stück Fernsehen über die Ohnmacht des Rechtsstaates vor Menschen, die sich mit alternativen Fakten ihre Welt zusammenzimmern wie ein Ikea-Regal.

«Tatort – Freies Land». Heute So, 20.05., SRF 1.

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