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Ürner Asichtä: Die Frage nach dem «Schnudergoof»

Myriam Planzer über Bakterien und Klima-Streikende
Myriam Planzer
Kolumnistin Myriam Planzer

Kolumnistin Myriam Planzer

Schuld war ein Zweikäsehoch. Garantiert nicht grösser war er, dieser verseuchte Zwerg. Radioaktiv leuchtender Schleim tropfte aus seiner Nase. «Aaatschü», machte er und es spritzte. Im Zeitlupentempo sah ich die Bakterien auf mich zufliegen, wie sie im Flug ihre Enterhaken auswarfen und sich in meiner Nasenschleimhaut verankerten. «Hand vor den Mund!», bellte die Mutter noch. «Gnade!» röchelte meine Schleimhaut. Aber was nützt das schon bei einem erkälteten Dreijährigen? Und wer kann einem vor Bakterien triefenden «Schnudergoof» böse sein, wenn er einen dann voller Begeisterung anstrahlt? Ich nicht, auch wenn ich die Folgen dieser Begegnung schon seit über einer Woche ächzend mit mir herumschleppe.

«Gschichtli verzelle?» sabberte das Schleimmonster und legte mir ein Buch auf die Knie. Bald hatten sich rechts und links zwei Bakterienschleudern eingekuschelt, die mich abwechselnd unter Beschuss nahmen. Aber was war ich zufrieden in diesem Kreuzfeuer! «Walum is das so, Miliam? Walum het dä Ma dä Huet a? Walum zeht dä so komis us? Walum? Walum? Walum?»

Ein simples «ist so, weil ist so» zählte nicht. Das forderte mein Gehirn anständig heraus. Aber was, wenn es keine schlaue Antwort auf die Frage eines jungen Menschen gibt? Was, wenn die Frage auf eine Situation abzielt, bei der ich selber dick drin hänge? Bringe ich das Kind dann zum Schweigen?

Für viele gibt es im Moment eine spezielle Spezies «Schnudergoofen». Über diese wird geflucht und gelästert, denn sie nehmen von der Schule frei, um ihre unangenehmen Fragen zu stellen. Fragen, bei denen auch die Mächtigsten dumm aus der Wäsche gucken und ihre Unsicherheit mit «jöh, herzig» überspielen. Fragen wie: Wenn wir daran sind unseren Planeten zu zerstören, warum passiert nicht mehr? Wenn der Klimawandel eine Krise ist, warum rufen wir nicht den Notstand aus?

Die Klarheit der Fragen lässt einen leer schlucken. Weil ja, warum? Ich habe Respekt vor den Schülerinnen und Schülern, die streiken fürs Klima. Schliesslich müssen sie einmal den Seich ausbaden, den wir ihnen eingebrockt haben. Dass nicht mehr Trubel entsteht, erstaunt mich bei den Dimensionen des Problems. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Da sind eindeutig wir Älteren die Dreckschleudern, weil wir schon länger unser CO2 in die Atmosphäre zu husten.

In Interviews mit Schülerinnen und Schülern kommt gern die Frage «was machst du denn selber fürs Klima?» Das ist nicht falsch, aber Ablenkung. Denn: wenn wir allen vorleben, dass es völlig okay ist, die Hand nicht vor den Mund zu nehmen beim Husten und eine Welt geschaffen haben, in der alles hustet, als gäbe es keinen Morgen, wie wollen wir dann von den Jüngeren verlangen, dass sie anders sein sollen? «Generation Easyjet» hat sich nicht selber erschaffen. Wir müssen uns schon gemeinsam auskurieren.

Und ehrlich, das können wir doch! Wir sind doch kreativ und klug genug, eine andere Welt zu gestalten. Wir sind doch überall schon dran, auch im Kanton Uri. Aber wir brauchen mehr. Wenn eine junge Frau mit einem Kartonplakat Tausende von Menschen auf die Strasse bringt, was könnte dann erst ein 35 000 Einwohner grosser Bergkanton erreichen? Also bitte, ein letztes Mal schnäuzen und handeln. Weil, wie die Klimastreikende, Greta Thunberg aus Schweden sagt: «the one thing we need more than hope is action. Once we start to act, hope is everywhere.»

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