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Die Boni-Praxis und die
dummen Aktionäre

Die Aktieninhaber hätten es in der Hand, die Unsitte überbordender Boni
für Manager zu stoppen - sind aber viel zu zurückhaltend.
Reto Lipp, Wirtschaftsjournalist SRF
Reto Lipp

Reto Lipp

Der deutsche Bankier Carl Fürstenberg meinte einst: «Aktionäre sind dumm und frech. Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann noch Dividende haben wollen.» Nun, um Aktien kommt man im aktuellen Tiefzinsumfeld gar nicht herum. Da muss man halt den Dummheitsvorwurf auf sich nehmen. Dumm sind Aktionäre aber aus einem ganz anderen Grund: Sie nicken Vergütungsberichte mit Millionensalären der Geschäftsleitungen ab, die überhaupt nicht in ihrem Sinne sind, ja die sogar höchst kontraproduktiv wirken.

Wer den CEOs immer höhere Boni gewährt, macht einen entscheidenden Fehler. Die Wissenschaft hat längst herausgefunden, dass leistungsvaria­ble Vergütungen bei repetitiven Tätigkeiten funktionieren, bei höherwertigen, teamorientierten Tätigkeiten sind sie kontraproduktiv. Boni töten die intrinsische Motivation an der Arbeit, man könnte das auch mit dem Spass an der Arbeit, mit der Freude am Job übersetzen. Diese sollten bei einem Konzernchef per se vorhanden sein, denn wer hat schon so viel Gestaltungsmöglichkeiten und Macht über Tausende von Mitarbeitern wie ein CEO einer grossen Firma? Wer hier zur Motivation noch einen Haufen Geld braucht, ist schlicht fehl am Platz. Mit immer höheren Boni erzieht man einen Konzernchef zudem, nur noch aufs Geld zu schauen. Und wie bei einem Junkie braucht es immer grössere Beträge, um überhaupt noch eine Wirkung zu erzielen. Wer also als Aktionär höhere Summen für den CEO abnickt, schadet letztlich der Firma, in die er investiert, weil der CEO sich immer weniger intensiv ums Geschäft kümmert, dafür immer intensiver um die komplexen Vergütungsprogramme.

Wissenschaftliche Erkenntnisse gelten für alle

Noch dümmer wird es, wenn es um Bankchefs geht, die bei Boni immer gern ganz weit vorne dabei sein wollen. Seit Jahren regen sich diese darüber auf, dass sehr viel reglementiert werde, dass vom Regulator alles vorgeschrieben werde, dass der Freiheitsgrad im Banking abnehmen würde. Die Risiken, die noch vor der Finanzkrise in den Bankbilanzen geschlummert haben, hätten sie massiv reduziert, sagen die Bankchefs bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Weshalb aber sollten Aktionäre den Bank-CEOs die gleichen Vergütungen zahlen wie vor der Finanzkrise, wo das Geschäft noch wesentlich komplexer war? Wenn das Geschäft so viel risikoärmer und regulierter geworden ist, kann an der Spitze letztlich mehr oder weniger ein Verwalter sitzen. Und der braucht keine Millionenboni.

Die Aktionäre hätten es in der Hand, diese Unsitte zu stoppen, denn gerade die Minder-Initiative hat ihre Stellung gestärkt. Nun ist auch klar, dass viele Aktionäre grosser Firmen aus dem Ausland stammen. Und die interessieren sich kaum für die Saläre, was aber fragwürdig ist. Denn zwischen in- oder ausländischen Aktionären gibt es in Sachen Boni eigentlich keine grund­legenden Unterschiede – die wissenschaftlichen Erkenntnisse gelten letztlich für alle.

Wir alle sind Aktionäre

Neben den ausländischen Aktionären bleibt ein grosser Rest von Aktionären, die ihre Muskeln spielen lassen könnten, wenn sie nur wollten. Diese Aktionäre sind: wir alle! Wir sind über unsere Pensions­kassen, Anlagefonds oder den AHV-Fonds Aktionäre. Das heisst die Pensionskassen, die unsere Gelder verwalten, könnten gerade bei Vergütungsfragen deutlich aggressiver auftreten. Dazu kommt, dass viele Anlagegelder heute passiv verwaltet werden über riesige Firmen wie Blackrock oder Vanguard. Auch diese Firmen stehen in der Verantwortung, als Vertreter unserer Vermögen stärker auf die Verwaltungsräte Einfluss zu nehmen und damit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Durchbruch zu verhelfen.

Man muss den Verwaltungsräten einfach mal stärker auf die Finger klopfen. Verwaltungsräte, die unzählige Sitzungen den viel zu komplexen Vergütungspaketen widmen statt dem eigentlichen Geschäft – das ist eine völlige Fehlallokation ihrer Ressourcen. Die Pensionskassen sind nicht allmächtig, aber sie wären mächtig genug, stärker gegen Boni-Selbstbedienung und -Missbrauch aufzustehen. Tut es endlich!

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