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Kommentar

Der Lehrgang Textildesign ist ein Symbol mit Potenzial

Ist von der Textilstadt St.Gallen die Rede, wird häufig von der Vergangenheit gesprochen. Dabei ist die Stadt und darüber hinaus die ganze Ostschweiz Standort vieler Textilfirmen. Der Lehrgang Textildesign ist also am richtigen Ort und erhält zu Recht eine zweite Chance.
Kaspar Enz

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Kaspar Enz, Redaktor Ostschweiz am Sonntag

Kaspar Enz, Redaktor Ostschweiz am Sonntag

Es ist nicht mehr wie früher. Als ein Zug die St.Galler Textiler und ihre Kreationen direkt nach Paris brachte, ohne Halt in Zürich, vor hundert und mehr Jahren. Der Höhepunkt einer Industriegeschichte, die bis ins Mittelalter reicht. Als findige Kaufleute die Stadt zur Drehscheibe des Leinwandgeschäfts machten und die ganze Region zu ihrer Manufaktur. Einer Geschichte, die in den 1920er-Jahren endet, als eine tiefe Krise die Branche erfasste. Die Textilstadt St.Gallen, könnte man meinen, ist Geschichte.

Eine Geschichte, die manchmal die Sicht auf die Gegenwart verzerrt. Klar, es steht nicht mehr in jedem Bauernhaus ein Webstuhl, klar arbeiten heute mehr Städter am Computer als an der Stickmaschine. Aber noch immer ist die Textilindustrie nirgends in der Schweiz so bedeutend wie zwischen Bodensee und Zigerschlitz, hier steht jeder dritte Arbeitsplatz der Branche. Firmen wie Jakob Schläpfer oder Akris führen die Modetradition der Stadt fort. Und vom Rheintal bis an die Thur produzieren innovative Unternehmen Gewebe, nicht nur für die Modewelt, sondern auch für Technik und Medizin. Deshalb hat die Textilindustrie auch eine Zukunft in der Ostschweiz. Wo, wenn nicht hier, wo sie auf jahr­hundertealte Traditionen zurückgreifen kann.

Wo, wenn nicht hier? Das fragten sich auch die Initiantinnen des Lehrgangs Textildesign an der Gewerblichen Berufsschule St.Gallen. Wo sollen junge Berufsleute lernen, Handwerk und Kreativität zu vereinen, wenn nicht hier, wo man dies schon so lange kann? Doch was logisch klingt, scheint so einfach nicht zu sein. Für den ersten Durchgang gingen nicht genügend Anmeldungen ein. Zumindest nicht genügend, die den Anforderungen entsprachen: Die Anwärter sollten neben dem Kurs in der Branche arbeiten. Doch solche Stellen sind schwer zu finden: Einige Interessierte mussten ihre Anmeldung zurückziehen.

Da wäre auch die Branche gefragt. Sie hat es nicht leicht, keine Frage. Der starke Franken machte den exportorientierten Textilunternehmen lange das Leben schwer. Trotzdem dürfte es sich für manche Firma lohnen, jungen Talenten eine Chance zu geben – und Stellen zu schaffen für die angehenden Designer. Wenn man nur wartet, bis es ein anderer tut, wird es am Ende nie etwas mit der Zukunft. Der Lehrgang für Textildesign in der Textilstadt mag vorerst noch mehr symbolischen Wert haben als wirtschaftlichen. Doch er hat das Potenzial für mehr. Denn wo Bildung, Forschung und Unternehmen in einem Gebiet aufeinandertreffen, kann Zukunft entstehen, nicht nur im Silicon Valley. Deshalb wäre der Lehrgang ein Symbol, für den sich ein Einsatz lohnt. Zumal dessen Scheitern ebenfalls symbolhaft wäre.

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