Glosse

Casting für Thurgauer Gemeinderäte

«ResTZucker»: Für eine harmonische Zusammenarbeit ist die politische Einstellung nicht so wichtig. Es geht viel mehr darum, ob die Chemie stimmt.

David Angst
Drucken
Teilen
David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung.

David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung.

Bild: Ralph Ribi

Tiana Angelina Moser (GLP) und Matthias Aebischer (SP) sind ein Paar. Es gibt wohl auch Paare, bei denen der Mann in der FDP und die Frau in der SP ist. Das muss überhaupt kein Problem sein. Entscheidend für eine harmonische Beziehung ist nicht die politische Einstellung, sondern, ob die Chemie stimmt. Wenn man zum Beispiel das TZ-Interview mit Christian Levrat und Gerhard Pfister gelesen hat, kommt man zum Schluss, die beiden würden am liebsten miteinander in die Flitterwochen fahren, obwohl sie politisch oft Gegner waren.

Wenn zwei einander jedoch nicht mehr ertragen, dann wird es schwierig. Dann ist die Ehe nicht mehr zu retten, selbst wenn beide in der CVP sind. Was für die Ehe gilt, gilt erst recht für Thurgauer Gemeinderäte. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass so viele überstürzt zurücktreten. Die brauchen dafür ja nicht einmal einen Scheidungsanwalt. Oft macht man zuerst noch pro forma eine Mediation, im Wissen, dass die vermutlich nichts nützt. Jedenfalls ist in der Zeitung noch nie über eine erfolgreiche Mediation berichtet worden, nur über missglückte. In Steckborn, Märstetten, Salmsach, etc..

Dabei geht es wie gesagt weniger um politische Differenzen, sondern meist um Führungsstil oder zwischenmenschliche Probleme. Man fragt sich, wie lange es geht, bis die Findungskommissionen merken, dass sie schon bei der Evaluation der Kandidaten anders vorgehen müssen. Die «Casting-Methoden» muss man nicht neu erfinden, man kann sie beim Unterhaltungs-TV ausleihen: Bachelor, Bauer ledig sucht oder das gute alte Big-Brother-Haus. Wer aus der WG fliegt, der wird auch nicht zur Wahl empfohlen.

Mehr zum Thema