«Tatort»: Darf sich das Böse in einer Kassiererin manifestieren?

Supermarktkassiererin Peggy ist neidisch auf das Glück einer anderen Frau. Ihre Wut eskaliert im neuen «Tatort» aus Kiel.

Susanne Holz
Drucken
Teilen
Katrin Wichmann verkörpert ihre Kassiererin Peggy sehr komplex. (Bild: PD)

Katrin Wichmann verkörpert ihre Kassiererin Peggy sehr komplex. (Bild: PD)

Zwei Frauen dominieren diesen «Tatort» aus Kiel. Im Fokus: das, was zwischen ihnen steht. «Borowski und das Glück der Anderen» ist eine Parabel auf Neid, Glück und die Erfahrung, dass Glück gerade dann am schnellsten um die Ecke ist, wenn man es erzwingen will.

Supermarktkassiererin Peggy hat es nicht leicht: Ihrem Mann reicht zum Glück das abendliche Bier, und von der wohlhabenden und schönen Nachbarin Victoria – Nomen est omen – wird sie ignoriert: vor allem, wenn sie an der Kasse sitzt. Ansonsten hat man ja auch keinen näheren Kontakt. Peggys Wut und Frust über die Ungerechtigkeit der Welt eskaliert schon sehr früh in diesem Krimi, der nicht nach einem Täter sucht, sondern die Hintergründe einer Tat ausleuchtet.

Das Ausleuchten von Neid und spontanem Wahn gelingt Andreas Kleinert (Regie) und Sascha Arango (Drehbuch) ziemlich gut und auch sehr unterhaltsam. Katrin Wichmann verkörpert ihre Peggy sehr komplex, Sarah Hostettler glänzt als perfekt schöne Oberfläche. Die Figuren sind überzeichnet, was die geerdeten Charaktere der Kommissare (Axel Milberg und Almila Bagriacik) aber abfangen.

Trotzdem bleibt ein schales Gefühl. Ist es angemessen, in Zeiten eines immer grösseren Wohlstandsgefälles das Böse in einer Kassiererin zu manifestieren? Womöglich dachte sich das auch der Sender. Denn in der Pressemappe darf noch Glücksforscher Eckart von Hirschhausen zu Wort kommen: «Wir haben in Deutschland Unterschiede in der Lebenserwartung von zehn Jahren zwischen Wohlhabenden und Abgehängten.» Und: «Es geht allen besser, wenn es vielen besser geht.»