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BÖSE WORTE: Ungeduldig

Felix Frei

Es ist das – pardon – Arsch­geweih unter den genannten Schwächen im Anstellungs­gespräch: «Manchmal bin ich einfach zu ungeduldig.» Wer sich der Ungeduld bezichtigt, sagt ja im Grunde genommen Folgendes: «Ich will wirklich etwas. Ich bin schneller als die meisten. Das mögen die nicht, und daher werfen sie mir mein Tempo vor. Aber wer, wenn nicht Leute wie ich, bringt so eine Firma wirklich voran?»

Nicht immer ist also Schwäche drin, wo Schwäche draufsteht. Abgesehen davon, dass die Frage «Wo sehen Sie denn Ihre Schwächen?» grundunanständig ist, weil sie mich nötigt, meine Aussichten auf den Job zu verringern, zählt sie ja nur gerade im Anstellungsgespräch. Schwächen kann man leicht in Stärken verwandeln, wenn man sie so formuliert, dass damit vor allem zum Ausdruck gebracht wird, wie selbstkritisch man ist (Stärke 1), wie ehrlich gegen sich und andere (Stärke 2) und wie selbstbewusst, so dass einem wegen so einer Lappalie von Schwäche doch kein Stein aus der Krone fällt (Stärke 3). Das grenzt schon an die wunderbare Brotvermehrung: minus eins gleich plus drei.

Viele genannte Schwächen haben gar nichts mit der Person des oder der Stellensuchenden zu tun. Sie stammen aus Beispielskatalogen einschlägiger Berater, wo man sich ganz nach persönlichem Geschmack bedienen kann. Bei diesen Ratgebern – und damit nochmal zur Ungeduld – wird denn auch darauf verwiesen, dass diese heute nicht mehr ganz so beliebt ist wie früher, als sie ganz oben auf der Liste ihrer Empfehlungen stand. Denn jeder kennt den Tipp inzwischen.

Freilich hat dies nichts daran geändert, dass Ungeduld tatsächlich eine der verbreitetsten Schwächen aller Führungskräfte ist. Und das wird sie auch bleiben. Denn erstaunlicherweise lassen sich tatsächlich viele Menschen immer wieder antreiben, bloss weil da irgend so ein «Stürmi-Hung» namens Chef auf Resultate drängt. Ganz so, wie sie ja oft auch ihren Kindern nachgeben, wenn die nur ausdauernd genug quengeln, sie möchten jetzt Schokolade oder noch nicht ins Bett oder noch länger gamen. Vielleicht ist es an der Zeit, die Ungeduld ganz oben auf die Liste der besonderen Führungsstärken zu setzen. Warten Sie ab, bis die ersten Personaler oder Headhunter das mal tun, und schon bald werden alle stellensuchenden Führungskräfte sagen: «Meine Kernkompetenz? Ungeduld!»

Felix Frei

In «Böse Worte» spiesst der Zürcher Organisationspsychologe Felix Frei mit spitzer Feder zeitgeistige Begriffe aus der Managersprache auf. Nächsten Sonntag: «Diversity».

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