Beziehungen: Die Rollenverteilung in den Ferien ist fix

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Was Rollen in Beziehungen gut und schlecht macht.

Maria Brehmer
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«Nur weil sich traditionelle Rollenmuster in Mann-Frau-Beziehungen gewandelt haben, heisst das noch lange nicht, dass es keine Rollen mehr gibt.»

«Nur weil sich traditionelle Rollenmuster in Mann-Frau-Beziehungen gewandelt haben, heisst das noch lange nicht, dass es keine Rollen mehr gibt.»

Sandra Ardizzone

Der Mann ist nicht mehr nur der Versorger und Entscheider, die Frau nicht mehr nur die Hausfrau und Bedürfniserfüllerin. Doch nur weil sich traditionelle Rollenmuster in Mann-Frau-Beziehungen gewandelt haben, heisst das noch lange nicht, dass es keine Rollen mehr gibt. Lediglich die Art und Weise, wie die Rollen verteilt werden, hat sich verändert: Wir können sie uns jetzt vermehrt selbst aussuchen.

In den Ferien, davon bin ich überzeugt, schlüpfen wir besonders schnell in besonders starre Rollen, weil man dann viel Zeit miteinander verbringt. Um die Harmonie in dieser Zeit möglichst zu bewahren, bleibt man der eingespielten Rollenverteilung treu – um nicht jeden Tag neu verhandeln zu müssen, wer wofür zuständig ist.

Meine starre Rolle ist jene der Versorgerin. Wehe, es will mir jemand etwas abnehmen! In unseren letzten Ferien wurde mir das auffallend oft bewusst. Während mein Freund, der Organisator und Wanderkartenleser, jeden Tag eine neue Route für uns bestimmte, machte ich den Proviant für unsere Touren parat. Sackmesser putzen, Käsesorten einpacken, Birnenbrot in Scheiben schneiden, Wasserflaschen füllen.

Stumm werkelten wir jeden Morgen vergnüglich aneinander vorbei. Bis ich eines Tages vergass, den Proviant auch einzupacken.

«Gopf, wieso muss ich eigentlich immer an alles denken?», klagte ich. Ungefiltert liess ich meinen Frust – angefeuert von Hunger und Hitze – an meinem Freund aus. Was nicht gerade fair war. Schliesslich hatte jeder seine Rolle auch an diesem Morgen übernommen – und die kann man nun mal nicht einfach an- und ablegen, wann es einem gerade passt.

Denn das ist der Sinn von Rollen: Sie haben mit Verantwortung zu tun, die wir in diesem Moment übernehmen. Damit, dass ich auf jener Wanderung ohne Essen die Schuld von mir wies, wollte ich mich von dieser Verantwortung irgendwie befreien. Ziemlich unreif.

Was wir gern tun, wo unsere Inter­essen liegen und vor allem, worin wir angeboren oder angelernt gut sind, bestimmt, wer welche Rolle in der Beziehung übernimmt. Meistens suchen wir uns selbst aus, worin wir aufgehen wollen. Hin und wieder rutschen wir aber in Rollen, die wir gar nicht richtig wollen.

Im schlechtesten Falle stecken wir in einer Rolle, weil wir lediglich die Aufgaben gut erledigen, die zu der Rolle gehören. Im allerschlechtesten Fall nicht einmal das. Mit Lust sind wir dann nicht bei der Sache. Und so fragen wir uns irgendwann: Wieso koche eigentlich ich immer das Abendessen? Wieso muss eigentlich immer ich mit den Kindern schimpfen? Wieso bin ich immer diejenige, die beim Streiten nachgibt?

Die eigenen Rollen zu hinterfragen, ist sinnvoll. Ich bin gern die Versorgerin. Dass ich nicht immer gut sein muss darin, lerne ich noch.