«Auf ein Wort»-Kolumne
Was das englische «Tablet» mit der schweizerischen Jasstafel verbindet

In seiner aktuellen Kolumne erklärt unser Mundartexperte Niklaus Bigler, was «Griffel» sind. Und was sie mit dem englischen «Tablet» zu tun haben.

Niklaus Bigler
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Jasstafeln sind klassischerweise aus Schiffer.

Jasstafeln sind klassischerweise aus Schiffer.

Bild: Adrian Stähli

Lange vor dem ersten Schultag erhielt ich vom Grossvater einen Schuelsack geschenkt, einen Tornister mit einem Deckel aus rötlichem Kalbfell. Darin lagen eine in Holz gerahmte Schifertafele und zwei, drei Griffel.

Ob auch ein Schwümmli dabei war, weiss ich nicht mehr, auf jeden Fall blieb es bei einigen privaten Kritzeleien. In der ersten Klasse brauchten wir nämlich nur noch Papierhefte und Bleistifte als Schreibmaterial.

Die Wandtafele gibt es bis heute, aber sie wird längst nicht mehr aus Schiefer hergestellt; aus diesem Material sind höchstens noch die Jasstafele. Dass man alles auf kleine Tafeln schreibt, war seit dem Altertum der Normalfall, denn Papier oder Pergament kannte man noch nicht oder es war viel zu kostbar für den täglichen Gebrauch.

Vom Brett zum Tablet

Schon das lateinische tabula, auf welches althochdeutsch tavala zurückgeht, bedeutete ‹Brett, Schreibtafel›. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auch uf der Tafele grächnet; das war der Gegensatz zum Chopfrächne.

Schweizerdeutsch Griffel ist heute die saloppe Bezeichnung eines Schreibgerätes. Meine Griffel waren noch Stifte aus Schiefer, wie ein Bleistift, aber dünner. Das Wort kommt ursprünglich vom griechischen grapheion, aber der Vokal hat sich dem deutschen grīffen (greifen) angeglichen, und das -el erinnert an Bildungen wie Ärmel, Zügel.

Das andere alte Schreibmaterial war die Chriide. Mit Beträgen, die man uf d Chriide nimmt, waren Schulden gemeint; sie wurden auf einer Tafel festgehalten. Die moderne Form der Schreibtafel ist das Tablet, ein Kleinrechner mit Bildschirmtastatur; auch dieses englische Wort geht letztlich auf das alte tabula zurück.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).

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