«Auf ein Wort»-Kolumne
Ein Brett vor dem Fenster: Woher kommt das «Brittli»?

Fensterläden heissen überall anders. In seiner aktuellen Kolumne erklärt unser Mundartexperte Niklaus Bigler, woher die Worte «Laade» oder «Brittli» kommen.

Niklaus Bigler
Niklaus Bigler
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Fensterläden sind heute nicht mehr nur einfache Bretter.

Fensterläden sind heute nicht mehr nur einfache Bretter.

Bild: Keystone

Schweizerdeutsch Balche, Balke, Palgge oder Balle entspricht lautlich dem Balken, bezeichnet aber den Fensterladen, und zwar in den Bergkantonen sowie im Zürichbiet. In den nördlichen Kantonen dominiert der (Fänster-, Fäischter-, Fell-) Lade, Laade; da und dort gibt es auch das Britt, Brittli (Brett).

Tatsächlich waren die alten Fensterläden nichts anderes als an Scharnieren bewegliche Bretter, welche die Fensteröffnung verschlossen und höchstens durch eine kleine ausgesägte Öffnung etwas Licht passieren liessen.

Der heruntergeklappte Fensterladen eines Gewerblers diente praktischerweise gleich als Ladentisch und wurde ebenfalls Laade genannt. Die ostaargauische Bäie geht auf altes beie (Fenster, französisch baie) zurück.

Seit dem 17. Jahrhundert erhielten unsere Fensterläden weitere französische Bezeichnungen. Und es gab eine technische Neuerung: Der Holzrahmen umschloss kleine schräge Latten oder sogar verstellbare Lamellen, die das Licht nach Bedarf durchliessen.

Man konnte sehen, ohne gesehen zu werden ­– und dazu passt auch wunderbar das französische jalousie (Eifersucht). So gibt es fast überall in der deutschen Schweiz die Schalusii (auch Sch.-Laade) oder wenigstens Schalischii, Scharisii. Der französische Begriff ist allerdings persienne und lässt an den Orient, an die Fenster eines Harems denken.

Eine weitere Besonderheit ist Schassi (Solothurn) und Schasse (Südostaargau): Französisch châssis bezeichnet nicht nur den Rahmen eines Wagens (Fahrgestell), sondern weitere Arten von Einfassung, so auch bei einem Fensterladen mit Lamellen. Es gäbe noch mehr zu berichten, aber jetzt mache ich den Laden zu.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).