«Auf ein Wort»-Kolumne
Das Mundartwort «Anthaupt» heisst auf Hochdeutsch ...

In seiner aktuellen Mundartkolumne erklärt Niklaus Bigler die Bedeutung eines Wortes, das nur die allerwenigsten noch kennen.

Niklaus Bigler
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Noch heute finden sich viele Begriffe aus dem bäuerlichen Alltag in Flurnamen.

Noch heute finden sich viele Begriffe aus dem bäuerlichen Alltag in Flurnamen.

Keystone

Beim Pflügen (achere, z Acher faare) waren die Schmal­seiten schon immer wahre Problemzonen: Am Ende des Ackers müssen Pflug und Zugtiere (heute: Traktor mit Pflug, fest verbunden) jedes mal gewendet werden, und der Anfang der neuen Furche gerät nicht immer genau auf die gleiche Höhe.

Um einen Ackerrand zu bekommen, der e Gattig macht, fährt man zuletzt mit dem Pflug noch ein oder zwei mal quer zu den bestehenden Furchen, bei den heutigen, mehrscharigen Pflügen genügt natürlich eine Querfahrt. Auch beim Eggen und Säen verlangt dieser Abschnitt eine zusätzliche, aufwendige Behandlung.

In Deutschland spricht man vom Vorgewende, während man bei uns vor allem Anthaupt (im Westen) oder Für-, Vorhaupt (im Osten) sagt. Das Wort Haupt bezeichnet die Kopfseite, fast wie beim Bett, wo man von Fuessete und Hauptete (Fuss-, Kopfseite) sprach; beim Acker gibt es halt zwei Kopfseiten.

Die Vorsilbe Ant- (‹entgegen›; griechisch anti) kommt auch in Antwort und Antlitz vor, abgeschwächt in entsprechen und entfangen, empfangen. Da das Wort nicht mehr durchschaut wurde, sagt man vielerorts auch Amthaupt.

Früher, als es viele kleine Äcker gab, deren Kopfseiten an die Längsseite eines quer verlaufenden Nachbarackers stiessen, war es wichtig, dass das Betreten eines solchen Querackers geregelt war. Man sprach von einem A(n)wander, einem Trättacher oder Streckacher, der beim Pflügen gemäss dem Trätträcht oder Streckrächt betreten werden durfte.

Die Güterzusammenlegungen haben solche Regelungen überflüssig gemacht. Damit sind auch die entsprechenden Begriffe in Vergessenheit geraten; man findet sie aber noch in vielen Flurnamen.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).