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Kolumne

Alles poppt auf

Kurzfristige Lösungen
Michael Graber

In Zeiten von steigenden Ladenmieten und sinkenden Einnahmen im Detailhandel ist eine komplett logische Folge, dass immer mehr Ladenlokale leerstehen in den Städten. Leere Läden sind aber wahnsinnig unsexy, und darum wuchern derzeit überall Pop-up-Stores.

Es gibt Pop-up-Schuhläden, Pop-up-Elektronikläden, Pop-up-Sportgeschäfte. Diese Pop-up-Stores sind zwar selten richtig schön, aber immerhin ­sexyer als Leerstand. Zwei oder drei Wochen lang stapeln sich Kisten, aus den Boxen läuft halbhippe Musik, und halbhippe Verkäufer verkaufen halbhippe Waren. Nachher ist der Spuk vorbei, und entweder kommt dann Leerstand oder eine dauerhafte Vermietung – oder halt ein neuer Pop-up-Store. Anstatt eine dauerhafte Lösung des Problems in Angriff zu nehmen, setzen viele Vermieter einfach auf die aufploppenden Geschäfte. Vielleicht könnte man ja ganz generell alle Probleme mit Pop-ups lösen. Anstatt monatelang mühsam einen Bundesratskandidaten (oder Kandidatin) zu suchen, könnte man auf Pop-up-Bundesräte setzen. Die wären dann zwei, drei Wochen im Amt, voller Energie und toller Ideen und würden wieder verschwinden, bevor sich die ersten Wutbürger über sie aufregen können.

Durch Pop-up-Bundesräte wären auch alle Regionen in einem annehmbaren Turnus vertreten: Alle vierzehn Wochen dürfte etwa das Wallis einen Bundesrat oder eine Bundesrätin stellen. Appenzell Innerhoden müsste nur alle 22 Wochen einen neuen Magistraten nach Bern schicken. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl wäre es den Appenzellern auch erlaubt, Personen mehrmals in den Bundesrat zu schicken, einfach nicht direkt nacheinander, sondern immer mit drei Legislaturen (also 66 Wochen) Pause – es will ja niemand Sesselkleber im Bundeshaus.

Und da auch die Parteimehrheitsverhältnisse alle paar Wochen wechseln würden, würde auch die Steuerbelastung in Wellenbewegungen auf und ab gehen. Im Mai könnte man auf der Autobahn 220 fahren, dafür wird der September dann zum Velomonat. Und wer im ständig wandelnden Gesetzesdschungel den Überblick verliert, kann darauf hoffen, dass ihm einer der ständig wechselnden Pop-up-Richter wohlgesonnen ist und ihm einen Straferlass gewährt (das gibt es aber nur in geraden Monaten, wenn Genf im Bundesrat ist).

Bevor der Pop-up-Wahn komplett überploppt, brauchen wir vielleicht für leere Ladenflächen in den Städten das Gleiche, was wir im Internet schon lange kennen: einen Pop-up-Blocker.

Michael Graber

Michael Graber

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