Kolumne

«Jung & Alt»: Vater, Mutter, Kind – Könnt ihr Alten euch nichts anderes vorstellen?

In der «Jung & Alt»-Kolumne schreibt unsere Autorin Samantha Zaugg alternierend mit Ludwig Hasler, Philosoph und Publizist, 76. Diese Woche antwortet sie auf die Frage, ob ein Prinz für sie in Sicht sei.

Samantha Zaugg
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Samantha Zaugg ist Journalistin, Fotografin, Filmemacherin, 26.

Samantha Zaugg ist Journalistin, Fotografin, Filmemacherin, 26.

Lieber Ludwig

Was freue ich mich, dass du Partnerschaft und Ehe anschneidest. Ich finde es sehr interessant, wie sich diese Themen in den letzten zwei Generationen entwickelt haben.

Früher war das ja ganz einfach. Ein Mann und eine Frau haben geheiratet, Kinder gekriegt, fertig. Irgendwie auch einleuchtend. Sozialer Druck und Kirche waren stark, Verhütung schwierig. Und es gab auch einfach keine schlauen Optionen. Vor allem für die Frauen.

Berufstätig sein und eigenes Geld verdienen war zwar möglich, aber schwierig. Für viele Frauen aus deiner Generation war es eine Realität, dass für sie keine Ausbildung vorgesehen war.

Und da sind wir auch schon bei der Studie, die du erwähnt hast. Dass junge Frauen alte reiche Männer mögen und umgekehrt. Diese Studie ist mir auch begegnet und ich habe mich sehr darüber geärgert. Weil die Ergebnisse verkürzt dargestellt werden und weil wieder einmal mehr die Evolutionstheorie genötigt wird um sexistische Strukturen zu verargumentieren. Dabei ist die Evolution hier das völlig falsche Gerät.

Vielmehr müsste man die Ergebnisse der Studie in Kontext setzen. Eine wichtige Information in diesem Zusammenhang wäre etwa, dass es weltweit einfach viel mehr reiche Männer als Frauen gibt. Männer sind durchschnittlich sogar doppelt so reich wie Frauen, das belegen unzählige Studien. Nicht nur haben die Männer mehr Geld, sondern auch mehr Macht. Von 193 Staaten sind nur bei gerade mal 15 Frauen an der Spitze. Weiter werden Frauen werden von klein auf nach Äusserlichkeiten beurteilt, erotisches Kapital wird ihnen als Ressource zugeschrieben. Die junge schöne Frau als Statussymbol.

Frauen haben nicht die gleichen Möglichkeiten wie Männer, werden schon ganz anders sozialisiert. Und hier liegt doch der Hase im Pfeffer! Vor diesem Hintergrund müssten wir solche Studien anschauen. Aber das wäre halt auch ungemütlich. Denn es hiesse, dass wir anerkennen, dass wir in einer strukturell ungleichen Gesellschaft leben. Und es hiesse auch, dass vor allem die Männer über ihre Privilegien nachdenken, und sich ihrer bewusst werden müssten.

Hm, lieber nicht. Lieber mal wieder mit der Evolutionstheorie anschwirren. Mammut, Höhle, Beeren, war halt schon immer so, kann man nichts machen.

So, fertig Studienpamphlet. Zum Schluss will ich dir noch in zwei Punkten recht geben. Erstens stimme ich völlig zu, dass wir Jungen in Beziehungsformen freier sind als ihr es wart. Und darüber bin ich sehr froh.

Und mit noch was hast du völlig recht: Ob ein Prinz in Aussicht ist, das ist tatsächlich eine unverschämte Frage. Darum gebe ich sie zurück, und frage: Wieso Prinz? Wieso nicht Prinzessin? Ist die Kernfamilie aus Vater, Mutter, Kind, das einzige was ihr Alten euch vorstellen könnt? Hättest du diese Frage auch einem Mann gestellt?

Samantha

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