Anti-Verhütung
Kinderlosigkeit wird zum Problem: Jetzt lernen Däninnen, wie man Kinder macht

Kinderlosigkeit wird in Dänemark zum Problem. Deshalb wird der Sexualunterricht angepasst. Die Teenager sollen nicht nur über Pillen und Kondome aufgeklärt werden, sondern auch, wie man Kinder macht.

Niels Anner, Kopenhagen
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Eine Ärztin überprüft die Quantität der Spermien. (Symbolbild)

Eine Ärztin überprüft die Quantität der Spermien. (Symbolbild)

Keystone

Man spricht über Körpergefühl, Beziehungen, Spass am Sex, Kondome und die Pille, wenn dänische Teenager in der Schule aufgeklärt werden. Jahrelang standen Verhütung und sicherer Sex im Vordergrund. Das war zu einseitig, sagt nun Bjarne Christensen, Generalsekretär der Vereinigung Sex und Gesellschaft, dem grössten dänischen Anbieter von Unterrichtsmaterial zu dem Thema.

«Bisher ging es in den oberen Klassen im Grossen und Ganzen darum, keine Kinder zu bekommen, also um Prävention, Verhütungsmittel, Abtreibung», sagt er.

Jetzt aber werde der Fokus geändert und das Material um das Kapitel «Wie werde ich schwanger?» erweitert. Denn: Jungen Däninnen und Dänen fehle das Wissen über Fruchtbarkeit. Viele glauben laut Christensen irrtümlicherweise, wenn sie die Verhütung absetzten, würden sie gleich schwanger.

Das hat Folgen. Dänische Ärzte bezeichnen Kinderlosigkeit bereits als Volkskrankheit. Sinkende Geburtenzahlen sind, wie in anderen Ländern, aus demografischen Gründen ein Problem.

In Dänemark sind sie so tief wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Gleichzeitig kommt bereits jedes zehnte dänische Kind nach einer künstlichen Befruchtung auf die Welt, da die Paare immer länger mit dem Kinderkriegen warten.

Qualität des Samens nimmt ab

Obwohl in Skandinavien die Bedingungen für Familien dank günstigen Betreuungsangeboten und hoher Gleichstellung verhältnismässig gut sind, widmen sich auch dänische Paare jahrelang Ausbildung und Job – bis es aus biologischen Gründen schwierig werde, sagt Sören Ziebe, Chefarzt der Fertilitätsklinik am Universitätsspital Kopenhagen: «Viele Paare sind überrascht, wie schnell die Fruchtbarkeit abnimmt.»

Mit 20 sei die Chance, in jedem Monatszyklus schwanger zu werden, 33 Prozent; mit 30 halb so gross, und bei 37-Jährigen betrage sie noch 8 Prozent, sagt Ziebe. Die Situation verschärfe sich zudem durch Rauchen und Alkohol. Das Problem liegt dabei nicht nur bei den Frauen; auch die Samenqualität nimmt ab.

Die Vereinigung Sex und Gesellschaft wolle keinen Druck aufbauen, sagt Bjarne Christensen, aber junge Menschen sollten eine fundierte Entscheidung treffen können. Deshalb gehöre das Thema Fruchtbarkeit in den Sexualunterricht.