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Sterben geliebte Menschen, brauchen die Kinder Trauerhilfe

Kinder brauchen nach einem Todesfall Zeit für den Abschied. Denn ihre Art zu trauern ist anders als bei Erwachsenen– langfristiger und in Schüben. Helfen können dabei ausgebildete Trauerbegleiterinnen.
Sarah Coppola-Weber
Nicht alles kann man erklären, reden sollte man mit Kindern aber doch darüber. (Bild: Getty)

Nicht alles kann man erklären, reden sollte man mit Kindern aber doch darüber. (Bild: Getty)

In der Schweiz leben rund 23000 Halbwaisen. Kinder also, die einen Elternteil verloren haben. Kinder, die früh mit Trauer und Verlust konfrontiert wurden. Über den Tod geredet wird aber in den wenigsten Familien. «Die Trauer verkommt immer mehr zur Privatsache, wird versteckt, vor allem vor den Kindern», sagt Eliane Bieri, Familientrauerbegleiterin und Präsidentin des gleichnamigen Vereins mit Sitz in Luzern. Dieser wurde vor zwei Jahren gegründet. Aus der Erfahrung, dass es für betroffene Eltern einen enormen Kraftakt darstellt, neben ihrer eigenen Trauer auch jene ihrer Kinder aufzufangen.

Man hat Angst, ihnen zu viel zuzumuten und möchte sie schützen. «Kinder sind neugierig und sehr sensitiv. Sie merken, wenn sich ihr Umfeld durch einen Todesfall verändert, das verunsichert», sagt Bieri. Daher soll man ehrlich und kindgerecht mit ihnen sprechen, damit sie den Verlust für sich einordnen können.

Die Todesnachricht überbringen

Das beginnt schon mit dem Moment, in dem man einem Kind erklärt, dass der geliebte Mensch gestorben ist. «Man soll ungestört sein, dem Kind die Wahrheit sagen, die Situation weder dramatisieren, noch vertuschen oder beschönigen», sagt die Familientrauerbegleiterin Christine Leicht, die als Pädagogin seit 15 Jahren in diesem Bereich tätig ist. Fragt ein Kind, was der Tod sei, soll man eine einfache, möglichst körpernahe Erklärung abgeben: «Ich lasse das Kind jeweils den eigenen Herzschlag spüren und erkläre, dass dieser Mensch und Tier am Leben hält. Schlägt das Herz nicht mehr, ist man tot», sagt Leicht.

«Kinder brauchen Bilder zur Erklärung, denn sie müssen den Tod begreifen können.»

Im Gegensatz zu den Erwachsenen dauert die kindliche Trauer über Jahre hinweg und tritt schubweise auf. Je nach Entwicklungsphase trauert das Kind anders und setzt wieder in seinem Trauerprozess ein, sagen die Fachfrauen. Deshalb sei es wichtig, den Tod ins Leben zu integrieren, ihm einen Platz zu geben. «Wir unterstützen das Beisein von Kindern an Trauerfeiern», sagt Christine Leicht. «Sie haben das Recht, dabei zu sein, auch wenn sie lebhaft sind, lachen und das andere Anwesenden irritieren kann», sagt sie.

Die Trauerbegleiterinnen werden in ihrer Arbeit mit den verschiedensten Situationen konfrontiert und wissen nie, was sie bei den Begegnungen in der Familie antreffen. «Etwa ein Vater, der anruft, weil seine Frau im Sterben liegt und er nicht weiss, wie mit den Kindern umgehen, oder Anfragen, die uns erst Monate oder Jahre später erreichen, weil das Kind Schlafstörungen entwickelt oder plötzlich einnässt», sagt Eliane Bieri. Manchmal arbeiten sie mit Psychologen oder Seelsorgern zusammen.

«Wohin kommt man nach dem Tod?»

Konfessionsneutralität wird grossgeschrieben. Komme es zu Fragen wie «wohin kommt man nach dem Tod?» wird rückgefragt. Denn Kinder sind sehr philosophisch und haben oft klare Vorstellungen und Hoffnungen. Aber: «Man muss ehrlich sein und dem Kind sagen, dass es Dinge gibt, auf die man keine Antwort weiss». Kinder haben oft Angst, sie könnten vergessen. Wer Friedhöfe meidet, kann zu Hause einen Erinnerungstisch mit Fotos und sich je nach Jahrzeiten verändernden Dekorationen einrichten oder im Garten einen Rosenstock zum Gedenken pflanzen. Auch ein Fotobuch mit Bildern von gemeinsamen Erlebnissen kann Kindern durch die Trauer helfen. Trauer und Gefühle brauchen Ausdruck, auf welche Art auch immer. Erwachsene können vorleben, wie sie der Trauer Raum geben. Denn: Der Tod gehört zum Leben.

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