Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Keramik erlebt ein Revival – diese Stile sind wieder angesagt

Die zeitlose Handwerkskunst begeisterte schon die alten Griechen. Nun ist es auch 2019 wieder in. Weshalb wir das Handgemachte aus dem Brennofen lieben.
Rahel Koerfgen
Handgemacht in der Algarve: Teller «Zamona» aus Hartsteinzeug mit farbiger Flussglasur. Bei Globus, 13.90 Franken. Bild: zvgHandgemacht in der Algarve: Teller «Zamona» aus Hartsteinzeug mit farbiger Flussglasur. Bei Globus, 13.90 Franken. Bild: zvg
«Mood Lamp» von der New Yorker Designerin Colleen Carlson, Preis auf Anfrage unter colleencarlsondesign.com Bild: zvg«Mood Lamp» von der New Yorker Designerin Colleen Carlson, Preis auf Anfrage unter colleencarlsondesign.com Bild: zvg
Giesskeramik von Meret Baker Ceramics, eine Schale für 15 Franken, bei etsy.com Bilder: zvgGiesskeramik von Meret Baker Ceramics, eine Schale für 15 Franken, bei etsy.com Bilder: zvg
Für Designenthusiasten : Gefäss von Laura Itkonen aus Finnland, circa 100 Franken, bei vuelaboutique.comFür Designenthusiasten : Gefäss von Laura Itkonen aus Finnland, circa 100 Franken, bei vuelaboutique.com
Collier «Satellit» der Schweizer Designerin Isabelle Fessler, Porzellan und Silber, Preis auf Anfrage unter isabellefessler.chCollier «Satellit» der Schweizer Designerin Isabelle Fessler, Porzellan und Silber, Preis auf Anfrage unter isabellefessler.ch
5 Bilder

Gallerie Lifestyle 17.8.19

Ein windiger Tag in der Algarve. Irgendwo zwischen Lagos und Sagres auf einer Landstrasse ein windgegerbtes Schild mit der Aufschrift: Cerâmica. Die Ausfahrt führt zu einem Flachdachgebäude mit einer Hauswand, die vollgehängt ist mit buntgemusterten Tellern aus Keramik. Im Innern viel Betrieb, Touristen und Einheimische schlängeln sich durch die langen Gänge.

Dutzende Regale mit Tellern, Vasen, Tassen, Schälchen und Kannen aus Keramik, jedes ein Unikat, handgemacht. Das Metier hat im Südwesten Portugals Tradition, das Land ist berühmt für seine Häuser mit bunt bemalten Keramikfliesen, den Azulejos. «Der Verkauf lief schon lange nicht mehr so gut», stellt die ältere Dame an der Kasse fest.

Geschirr und Dekoobjekte aus dem Brennofen feiern ein Revival. Nicht nur in dem abgelegenen Nest in der Algarve. Galt Keramik noch vor wenigen Jahren als altmodisch und angestaubt, wurde der Werkstoff an diesjährigen Möbelmessen wie Mailand und Köln zum Megatrend erklärt. Damit gemeint ist indes nicht filigranes Porzellangeschirr mit Blumendekor, wie wir es aus Grossmutters Zeiten kennen. Vielmehr Rustikaleres: Handgefertigte Modelle im Minimalstil sowie in erdigen Tönen erfahren im Handel gerade reissenden Absatz.

Bereits im antiken Griechenland stand «Keramos» für Gegenstände aus Ton, die durch ein Brennverfahren hergestellt wurden. Er ist noch heute der Obergriff für die verschiedensten Arten von Keramik, etwa Porzellan, Steingut, Steinzeug und Terrakotta. Führend in der Herstellung der «modernen» Keramik sind neben Portugal – bei Globus findet sich eine handgemachte Linie – die USA sowie Dänemark und Finnland, die sich auf Geschirrsets, Schmuck und sogar Möbel und Lampen spezialisiert haben.

Je individueller und lokaler, desto besser

Aber auch in der Schweiz gibt es eine Vielzahl an Labels, die sich in die Keramik als Experimentierfeld verliebt haben. Das bringt der Trend nämlich auch mit sich: Immer mehr Künstler und Designer haben das Töpfern entdeckt. Die Zürcher Designerin Isabelle Fessler, die Schmuck und Lichtobjekte fertigt, ist ein alter Hase im Metier. Sie sei fasziniert von dem «weissen Gold», wie sie auf ihrer Website schreibt: «Die Formbarkeit und die Vielfalt der Oberflächengestaltung öffnet eine Welt, in der es unendlich viel zu entdecken gibt.»

Entsprechend erfahren Töpferkurse dieser Tage regen Zulauf; es gilt als hip, sich an der Töpferscheibe zumindest zu versuchen. Die Arbeit mit Lehm, Wasser und Feuer, die Haptik, stellt für sie das perfekte Antidot zum digitalisierten Alltag dar. So erging es auch der Baselbieterin Meret Baker mit Bachelor im Industrial Design. Die 34-Jährige erhielt Anfang vergangenen Jahres einen Gutschein für das Besuchen eines Töpferkurses, «und nach dem ersten Nachmittag war es um mich geschehen», sagt sie. Es habe etwas Meditatives, es brauche Zeit und Geduld. «Das hat mich von meiner alltäglichen Hektik total runtergeholt», sagt sie.

Unterdessen hat sich Baker einen Brennofen angeschafft und experimentiert mit verschiedensten Techniken, nicht nur mit der Drehscheibe, sondern auch mit Slipcasting, der in Gips gegossenen Keramik. Unter dem Label Meret Baker Ceramics verkauft sie ihre Erzeugnisse im Minimalstil seit kurzem und mit Erfolg auf etsy.com. Sie glaubt, den Grund für den grossen Anklang zu kennen: «Die Leute wollen – wie auch in der Mode – weg von der Massenproduktion. Lokales Handwerk ist extrem gefragt, und je individueller die Teile, desto besser.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.