Keiner zu klein, ein Leser zu sein

«Sind das hier jetzt unsere Literaturtage?» fragt Noemi, 9, als wir über die Brücke zum alten Spital laufen. In den grossen Literaturtagen verbergen sich die «kleinen» – Literatur für die Kleinen.

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«Sind das hier jetzt unsere Literaturtage?» fragt Noemi, 9, als wir über die Brücke zum alten Spital laufen. In den grossen Literaturtagen verbergen sich die «kleinen» – Literatur für die Kleinen. Am Freitag konnten 1100 Kinder im alten Spital beim Wandern von Lesung zu Lesung die ganze Bandbreite an Büchern erleben.

Am besten hatten es die ungefähr 10jährigen: Als Lika Nüssli vorne am Projektor zeichnend auf Zuruf zwei Seiten eines möglichen Bilderbuchs illustriert – noch ein Känguru! – gehören sie gerade noch in die Altersklasse, die das interessiert.

Aber sie sind auch schon alt genug, um neugierig zu werden auf Brigitte Juds Bankräuber, der sich mit einem Taucheranzug unkenntlich zu machen versucht. Wieso dann freilich die Lesung von der Ratte Idefix handelt, ist schon schwieriger zu verstehen... – nicht alle Lesungen sind gut präsentiert. Vielleicht nimmt Carlo Meier drum den Job gleich selbst in die Hand: erzählt von der Entstehung seiner Kaminski-Kids, die ohne die Phantasien seiner eigenen drei Kinder gar nicht entstanden wären. Ein ganzer Saal ist Feuer und Flamme.

Für Alice Gabathulers «Starkstrom» und gefährlich blitzende Augen ist Noemi noch etwas klein – Roland Zoss aber und seiner fast schon zu fröhlichen Jimmy-Flitz-Band mag sie dann wieder zuhören. Auf die Frage nach dem Höhepunkt zögert sie – die Kaminskis oder doch die halbe Stunde im Dunkelzelt? «Es ist dunkel und doch nicht schwarz», hat Noemi erlebt – auch dies neue Wissen nimmt sie mit. (B.C.)