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Kaufsucht wird therapierbar

Erstmals gibt es wirksame Hilfe für Kaufsüchtige. Die Uniklinik Erlangen stellte diese Woche die europaweit erste Therapie vor, deren Erfolg wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte.
Bild: ky

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Erstmals gibt es wirksame Hilfe für Kaufsüchtige. Die Uniklinik Erlangen stellte diese Woche die europaweit erste Therapie vor, deren Erfolg wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Bei der Studie gelang es der Hälfte von sechzig Patienten im Alter von 20 bis 61 Jahren, mit der speziellen, zwölf Wochen dauernden Behandlung ihr exzessives Kaufverhalten in den Griff zu bekommen. Auch ein halbes Jahr nach Abschluss der Therapie mit wöchentlichen, 90minütigen Sitzungen seien sie nicht rückfällig geworden, sagte Studienleiterin Astrid Müller.

Schätzungen zufolge sind etwa fünf bis acht Prozent der Bevölkerung kaufsuchtgefährdet, und zwar quer durch alle Einkommens- und Bildungsschichten hinweg. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen, jüngere jedoch häufiger als ältere. Behandlungsbedürftig sei aber wohl nur ein kleiner Teil davon, sagte Müller.

Nach dem Kauf die Reue

Als kaufsüchtig gilt, wer wiederholt den starken Drang verspürt, etwas zu kaufen, das er gar nicht benötigt. Dem Kauf geht häufig ein Gefühl starker Erregung oder Spannung voran, gefolgt von tiefer Befriedigung und Glück. «Es geht den Betroffenen um den Akt des Kaufens, nicht um das Gekaufte», erklärte die Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, Professor Martina de Zwaan.

Sobald sie das Kaufhaus mit vollen Tüten verlassen, fühlen die Betroffenen jedoch nicht selten Reue und Selbstzweifel. «Wenn ich die Ware dann wieder zurückgegeben hätte, hätte ich doch die Liebe und Anerkennung verloren, die mir die Verkäufer zuvor entgegenbrachten», schildert eine Betroffene. Die 51jährige fing nach dem Tod ihre Mannes an, unkontrolliert einzukaufen. «Ich wollte meinen beiden Kindern eine heile Welt aufbauen», erklärt sie. Ihr Drang, immer mehr zu kaufen, brachte sie 1994 sogar ins Gefängnis. Noch heute habe sie etwa 170 000 Euro Schulden, die sie monatlich abstottere.

Ein 57jähriger hat rund 100 000 Euro an Schulden angehäuft, um sich über 30 Jahre hinweg mehr als 70 Spiegelreflexkameras, rund 2500 Fachbücher zu Medizin und Geographie oder hochwertiges Werkzeug zu kaufen. Er kaufe ausschliesslich im Fachhandel. «Da wurde ich anerkannt», schildert er.

Sport als Alternative

Erst nachdem seine Ehe zerbrochen und der Druck aus seinem Umfeld immer stärker geworden war, suchte der Mann professionelle Hilfe und gründete eine Selbsthilfegruppe. Seither seien die Kaufimpulse immer seltener aufgetreten. Ganz verschwunden seien sie aber nicht. «Wenn ich spüre, dass ich unbedingt etwas kaufen will, dann fotografiere ich oder tobe mich eine halbe Stunde auf dem Fahrrad aus, bis der Kopf wieder frei ist», erklärt er.

Diesen Ansatz verfolgen auch die Erlanger in ihrer Therapie. «Eine Kaufsucht geht auf eine Störung der Impulskontrolle zurück», erklärt Müller. In der Therapie müssten die Betroffenen lernen zu erkennen, wann genau sie zu Einkäufen neigten und was sie stattdessen tun könnten: «Wichtig ist, sich sehr genau zu beobachten und Kaufprotokolle zu führen.»

Die Patienten müssten sich bewusster machen, was bei dem Kaufprozess passiere, sagte Müller. Nur dann könnten sie ihre Einstellung ändern. Die meisten Kaufsüchtigen müssten zudem eine reifere Einstellung zum Geld bekommen. Dann müsse ein Ventil für sie gefunden werden, ihren Impuls auszuleben. «Das kann zum Beispiel sein, sich mehr mit Freunden zu treffen, Sport zu machen oder auch, den Job zu wechseln», erklärt Müller. (ap)

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