Zu Kapuzinern und fröhlichen Nonnen

Von Kloster zu Kloster: ein sakraler Spaziergang entlang der Saane durch romantische Landschaften mitten in der Agglo.

Melchior Rudenz
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Die Kathedrale St. Nicolas in Fribourg.

Die Kathedrale St. Nicolas in Fribourg.

Die Altstadt von Fribourg ist eine der prächtigsten im Land und stets einen Besuch wert. Und den machen wir jetzt. Wir setzen uns in die Standseilbahn, die wenige Gehminuten unterhalb des Hauptbahnhofs losfährt, und sind im Nu mitten in der Vergangenheit der alten Zähringerstadt. Wir queren – was wir heute noch öfters tun werden – die Saane, besichtigen die einstige Johanniterkomturei mit der Kapelle St. Anne aus dem 16. Jahrhundert und bewundern das Ensemble der alten Stadthäuser rund um die ­alles überragende Kathedrale St. Nicolas.

Und schon sind wir auf unserem Wanderweg Richtung Pérolles, der uns über die Untere und die Obere Matte zur Mageren Au führt. Dabei passieren wir erst das etwas versteckte Kapuzinerkloster Montorge und gelangen hernach zum grossartigen Kloster Maigrauge. Vor beinahe 800 Jahren haben hier Freiburger Frauen eine Gemeinschaft von Zisterzienserinnen gegründet, auf Land, dass ihnen der Stadtherr, Graf Hartmann von Kyburg, geschenkt hatte. Dank zahlreicher Stiftungen und der Einkaufssummen, welche die eintretenden Frauen mitzubringen hatten, kam das Kloster langsam zu Wohlstand.

Maigrauge

Maigrauge

Im 17. Jahrhundert brannte es teilweise nieder, weil eine Schwester vor dem Kirchgang vergessen hatte, eine Kerze zu löschen. Bereits 1265 war Maigrauge ins Burgerrecht der Stadt Bern aufgenommen worden. Im Klosterladen werden wir von einer fröhlichen Schwester bedient beziehungsweise dazu angehalten, ein Fläschchen «Eau verte de la Maigrauge» zu kaufen. Das nach geheimem Rezept komponierte Elixier aus Pflanzen ist nur in kleinen Schlucken zu konsumieren, sonst haut einen der Trank um.

Hauterive, eine Mischung aus Gotteshaus und Herrensitz

Kurz hinter dem Kloster gelangen wir über einen Damm, der die Saane staut, ins Schutzgebiet «Pérolles» – ein Wunder der Natur, und das mitten in der Agglo. Die Saane hat sich hier in mehreren Schlaufen tief in den Sandstein eingegraben und bildet nun wegen des Staudamms einen See, umgeben von Schilf und Auenwald, flankiert von hoch aufragendem Fels. Der bestens ausgeschilderte Weg führt meistens dem Wasser entlang, doch ab und zu und wo der Fels nicht passierbar ist, muss man hochsteigen und dann wieder runter. Oder kurze Tunnels sind zu durchwandern, die am Ausgang einen jeweils wieder anderen Blick auf diese prächtige Landschaft bieten. Es ist still hier, Fussgänger hat es heute keine, ab und zu hört man Enten, oder ein Schwan paddelt vorbei. Am Ende des Seewegs überschreiten wir die sich verengende Saane und steigen über Treppen hoch zum Pérolles-Viadukt, das sich in gewaltigen Betonbögen über uns wölbt. An einem der Pfeiler übt sich in der Direttissima ein Mann im Klettern, während Frau und Sohn am Boden das Sicherungsseil festhalten. Wir steigen auch hoch, aber via Treppen und wandern dann weiter durch ein Aussenquartier von Marly.

Hauterive, gegründet 1183.

Hauterive, gegründet 1183.

Nach dem Punkt Le Riedelet geht’s wieder abwärts, wir queren den Bach Gérine und folgen dem Wanderpfad. Im Erlenwald am Fluss ist es angenehm kühl. Hinter einem Wasserkraftwerk steigt der Weg wieder an, führt kurz einer Fahrstrasse entlang – und wir sehen Hauterive, Ziel unserer Wanderung.

Haute­rive ist eine der eindrücklichsten Klosteranlagen der Schweiz, gegründet 1138 von einem Adligen aus der Region. Was man der Abtei auch heute noch anmerkt, eine Mischung aus Gotteshaus und Herrensitz. Im bestens mit allerlei Ess- und Trinkbarem ausstaffierten Klosterladen findet sich ausreichend Literatur zu Hauterive. Zeit zu deren Studium hat, wer sich einige Tage dort der klösterlichen Ruhe hingibt: Die Abtei hat Gästezimmer (communaute@abbaye-hauterive.ch).

Wir ziehen das Übernachten in einer weltlicheren Umgebung vor, fahren per Bus und via Fribourg nach Le Mouret und quartieren uns im Schloss Grande Riedera ein. Erbaut wurde der Patriziersitz mit Herrenhaus und Turm 1639. Jetzt ist er ein B&B, und wir erholen uns von dieser herrlichen Wanderung im «Appartement de la Baronne».

Kleiner Wegweiser

Route: Fribourg–Maigrauge–Lac Pérolles–Viadukt Pérolles–Le Riedelet–Abbaye d’Hauterive
Wanderzeit: 4 Stunden
Essen/Trinken: Rucksack
Verkehrsverbindung: Bus Hauterive (Posieux Agroscope)–Fribourg; Bus Fribourg–Le Mouret (Château Grande ­Riedera, Tel. 079 520 54 69, bnb@riedera.ch)
Karte: Wanderkarte 31 Fribourg, Kümmerly+Frey, 1: 60 000