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Kolumne

Junge politisieren nicht nach Schema X

Sie organisieren sich via Social Media und demonstrieren für Klima- und Umweltschutz. Der Freitag könnte auch aus einem anderen Grund noch länger ein Freitag der Jugendlichen bleiben, meint unser Sonntagskolumnist.
Lukas Niederberger
Lukas Niederberger, Publizist

Lukas Niederberger, Publizist

Der Freitag erweist seinem Namen Ehre. Weltweit bleiben Schüler seit Herbst freitags der Schule fern und fordern mehr Klima- und Umweltschutz. Die Geister der Älteren scheiden sich an diesen Streiks. Schulleiterinnen und Rektoren freuen sich hinter vorgehaltener Hand über das Engagement ihrer politisch denkenden Schützlinge und beschliessen Flugverbote für Projektwochen.

Eltern jammern, dass ihre Teenager nicht mehr in den SUV einsteigen, die Winterferien in Dubai verweigern und sonntags lieber Tofu als Rindsfilet essen.

Und Rechtspolitiker kritisieren die Demonstrierenden mit absurden Schutzbehauptungen. Es ist kein neues Phänomen, dass Ältere sich gegenüber Kritik von Jungen mit einem Gegenangriff verteidigen. Schon der Philosoph Sokrates schrieb vor 2400 Jahren: «Die Jugend verachtet die Autorität und hat keinen Respekt vor den älteren Leuten. Sie widersprechen ihren Eltern und tyrannisieren ihre Lehrer.»

Gar nicht apolitisch

Die Klimademonstrationen überraschen nicht nur Eltern und Lehrpersonen, sondern auch all jene Soziologen, Politologen und Psychologen, die jahrelang die Meinung vertraten, die Jugend sei apolitisch und engagiere sich nicht im gesellschaftlichen Diskurs. Um das Phänomen dieses «plötzlichen» Engagements der Klimastreikenden einordnen zu können, hat die Heinrich-Böll-Stiftung vor zwei Monaten rund 700 Demonstrierende nach ihren Motivationen und Einstellungen befragt. Die Mehrheit sind gebildete Mittelschichtkinder, überwiegend weiblich und politisch gut informiert.

Es geht ihnen schlicht um ihre Zukunft. Über 80 Prozent von ihnen kaufen gezielt ökologische Produkte, 70 Prozent schränken ihren Konsum für das Klima bewusst ein.

Und die meisten sind überzeugt, dass weder die Politik noch die Wirtschaft in der Lage sind, Lösungen für das Klima zu finden. Darum müsse man mit den Demonstrationen international Druck auf die Entscheidungsträger ausüben.

Umweltverbände und Lobbygruppen unbedeutend

Dass die junge Generation als apolitisch galt, hatte weniger mit der Haltung der Jungen selbst zu tun als vielmehr mit der Wahrnehmung der Älteren, die politisches Interesse mit parteipolitischem Engagement und mit Präsenz an der Urne gleichsetzen. Auffallend an den jetzigen Demonstrationen ist die Tatsache, dass sich die Jugendlichen via Social Media weltweit selbst organisieren. Umweltverbände und Lobbygruppen spielen im Unterschied zu den Demonstrationen von 1968 und 1980 eine unbedeutende Rolle.

Die Jungen orientieren sich nicht an politischen und weltanschaulichen Lagern, sondern an Themen.

Das Thema Umwelt wird wegen der Klimastreiks in den kommenden Monaten zahlreiche Abstimmungen und Wahlen im In- und Ausland prägen.

CO2 - und die Altersvorsorge

Und die Greta-Generation, die sich ihrer Zukunft beraubt fühlt, wird früher oder später nicht nur wegen der Umweltzerstörung auf die Strasse gehen, sondern auch wegen der Altersvorsorge, die ihre Zukunft mindestens so stark beeinträchtigt wie der CO2-Gehalt in der Luft. Die heutige Jugend wird mehr als ihre Eltern in die Altersvorsorge einzahlen und im Alter weniger als diese zurückbekommen. Während heute 3 Erwerbstätige auf einen Rentner kommen, wird das Verhältnis in 30 Jahren 1:1 sein. Der Freitag dürfte darum noch länger ein Freitag bleiben.

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