«Jung & Alt»-Kolumne
Bei Lachanfall bitte die Ethikkommission anrufen

In der «Jung & Alt»-Kolumne schreibt unser Autor Ludwig Hasler, 76, alternierend mit Samantha Zaugg, Journalistin, 26. Diese Woche erklärt Hasler, wieso er gerne lacht, ohne gross zu reflektieren.

Ludwig Hasler
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Darf man noch über Laurel und Hardy lachen, oder beleidigt das Dicke und Doofe?

Darf man noch über Laurel und Hardy lachen, oder beleidigt das Dicke und Doofe?

Bild: Keystone

Liebe Samantha

Ich lache immer öfter. Nicht weil es gesund ist. Es entlastet mich. Gleich am Morgen, Zeitung lesend – Wahnsinn, dieser Menschenzoo! Ich lache los, grinse vor mich hin. Wie anders sollte ich mich retten? Lachen ist kinderleicht. Kinder lachen 400-mal am Tag. Jugendliche machen das Spiel «Wer zuerst lacht, hat verloren», sie trainieren den Bierernst Erwachsener. Sie lachen noch 15-mal am Tag. Tendenz schwindend. In den 50ern lachten wir 20 Minuten täglich, heute noch fünf. Gute Nacht, Leute!

Zu Deiner Nervensäge, zum Typ Mann, der will, dass Du lachst; weil Du dann hübscher seist. Die alte Masche. Lachen als Gesellschaftsspiel, nach Geschlechtern arrangiert: Frauen lachen häufiger. Männer lachen unter sich – kaum sind Frauen dabei, werden sie lachkarg. Frauen geben beim Lachen den Ton an. Männer tun, was sie können, Frauen zum Lachen zu bringen. Wird früh eingeübt. Klassenclown war, jedenfalls zu meiner Zeit, nie ein Mädchen.

Weiter beim Paaren. Psychologe Robert R. Provine durchforstete Kontaktanzeigen: Frauen wünschen vom Partner zuallererst «Sinn für Humor». Männer preisen sich als «humorvoll» an. Frauen begehren amüsante Männer, Männer mühen sich, die Nachfrage zu bedienen. Beim ersten Treffen zeigt sich: Je häufiger die Frau lacht, desto interessierter ist sie am Mann. Und er an ihr. So wäre das Lachen der Frau das entscheidende Merkmal für die gelungene Beziehung.

Doch warum? Jetzt wird es heikel: Traditionell verläuft Lachen von oben nach unten. Der Hofnarr wagt einen Scherz, Stille, der König grunzt, der Hofstaat brüllt los. Der Chef macht Witze, Angestellte lachen brav oder geniert, erlauben sich selber jedoch keinen Scherz.

Mit Deinem Appell an Frauen betreibst Du den Umsturz: Lachbefehl ignorieren, selber Chefin werden! Umkehr der Lachhie­rarchie. Mindestens Ausgleich. Nichts dagegen.

Wie oft lachst Du? Näher bei 400- oder bei 15-mal? Was macht Dich lachen? Anders als Kinder filtern Erwachsene ihren Humor. Ich fürchte, Ihr Jungen macht diesen Filter stets enger, moralischer. Achtung, diskriminierend! Achtung, rassistisch! Achtung, sexistisch! Bitte bei Lach­anfall erst die Ethikkommission anrufen.

Ich lache – aus Notwehr gegen Moraldiktate. Gegen den Konformitätsdruck. Ich lachte stets los, ohne gross zu reflektieren. Schon über Laurel und Hardy, Dick & Doof. Sollte ich heute unterlassen? Wegen Traumatisierung der Dicken und Doofen? Komisch bleiben sie trotzdem. Komisch ist das Ungereimte, die Lücke zwischen Sein und Schein, Anspruch und Wirklichkeit. Davon wimmelt es auf dem Planeten. Hasler incl.

Ich lache darüber – und lasse es gelten. Ihr wollt es ins Reine bringen? Oder nicht?

Ludwig

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