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Neue Diskussion über alte Missbrauchsvorwürfe: HBO zeigt kontroverse Dokumentation über Michael Jackson

Im Dokfilm «Leaving Neverland» sagen Zeugen aus, von Michael Jackson missbraucht worden zu sein. Die BBC will seine Lieder nun nicht mehr spielen. Aber die Beweislage ist alles andere als eindeutig.
Hanspeter Künzler
Michael Jackson mit dem fünfjährigen Wade Robson 1987, der im Film nun schwere Vorwürfe gegen Jackson erhebt. (Bild: HBO)

Michael Jackson mit dem fünfjährigen Wade Robson 1987, der im Film nun schwere Vorwürfe gegen Jackson erhebt. (Bild: HBO)

«Leaving Neverland» ist nur schon von der Länge her ein emotioneller Marathon. Ganze 236 Minuten gibt sich der britische Dokumentarfilmregisseur Dan Reed Zeit, die Geschichte von Wade Robson, James Safechuck und Michael Jackson aufzurollen. Robson, heute 36 Jahre alt, und Safechuck, 41, gerieten als kleine Buben in den Orbit des Superstars.

Der eine, Robson, gewann als Fünfjähriger 1987 im australischen Brisbane einen Tanzwettbewerb und durfte danach kurz die Bühne mit seinem Idol teilen. Der andere, Safechuck, war acht Jahre alt, als er Jackson bei den Aufnahmen für einen Werbespot für Pepsi-Cola kennen lernte. Bald verbrachten die Buben viel Zeit in «Neverland», Jacksons Landsitz in Kalifornien, und gehörten in Begleitung ihrer Mütter zum Tross des Stars auf Ferienreisen und Konzerttourneen.

Späte Erkenntnis, dass es doch Missbrauch war

Die HBO-Dokumentation «Leaving Neverland» erzählt die Geschichte, wie Robson und Safechuck über viele Jahre hinweg in der Euphorie dieser Freundschaft aufgegangen seien. Erst in den letzten Jahren seien sie zur ­Erkenntnis gelangt, dass das, was Jackson mit ihnen angestellt habe, sexueller Missbrauch gewesen sei. Robson erinnert sich nun daran, wie er sich vor Jackson nackt habe aufstellen müssen und seine Gesässbacken auseinanderziehen, derweil Jackson onanierte. Auch Versuche zum Analverkehr habe es gegeben.

Der Film «Leaving Neverland» wurde am 25. Januar am Sundance-Festival in Utah uraufgeführt. Am 3. März wurde der von HBO und dem britischen Channel 4 co-finanzierte Film in den USA am Fernsehen gezeigt. Am Mittwoch folgt die britische Ausstrahlung. Die Reaktionen auf den Film waren voraussehbar. Natürlich wehren sich die Fans von Michael Jackson vehement dagegen, dass der Ruf ihres Idols einmal mehr in den Dreck gezogen wird. Mehrere europäische Fanclubs haben heute zu einer Demonstration vor dem Londoner Channel-4-Büro aufgerufen.

Die Familie will nun eine filmische Gegendarstellung produzieren. Und Jacksons Erbverwalter haben eine Klage über 100 Millionen Dollar gegen HBO eingereicht. Mit BBC Radio 2 und dem norwegischen Rundfunk NRK haben derweil die erste ­Radiostation bekanntgegeben, keine Songs von Michael Jackson mehr zu spielen.

Ein schiefes Licht auf die beiden Hauptzeugen

Die Jacksons haben im Umgang mit den Medien selten eine glückliche Hand gezeigt. Eine wohltuende Ausnahme bildet ein Interview, das Michaels 37-jährige Nichte Brandi Jackson einer Radiostation gab. Sie berichtet dort, wie sie Wade Robson als 10-Jährige kennen gelernt und später sieben Jahre lang eine Liebesbeziehung mit ihm gepflegt habe. Nie habe er in dieser Zeit auch nur angedeutet, mit Michael eine andere als eine freundschaftliche Beziehung zu haben.

Ihre Aussagen werfen ein schiefes Licht auf Robsons Angabe, er sei zutiefst verliebt gewesen in Michael und könne darüber erst jetzt reden, weil er viele Jahre gebraucht habe, um sich von den emotionellen Fesseln zu befreien. Tatsächlich wirken die Unschuldsbeteuerungen der Michael-Jackson-Fans beim näheren Hinsehen rationaler als die ans Hysterische grenzenden Reaktionen der Gegenseite. Nach dem Tod von Michael Jackson im Juni 2009 erklärte Robson:

«Er ist der Grund dafür, dass ich tanze. Der Grund dafür, dass ich Musik mache, und einer der Gründe dafür, dass ich an die Reinheit und Güte der Menschheit glaube.»

Seit 2011 steckt seine Karriere in einer Krise, was eigenen, früheren Aussagen zufolge zu einem Nervenzusammenbruch führte. Im Verlaufe seiner Rekonvaleszenz sei er zur Einsicht ­gekommen, dass ihn Michael Jackson missbraucht habe. 2012 schrieb er darüber ein Buch. Niemand wollte es publizieren. Basierend auf seinen Anschuldigungen reichte er 2013 eine Klage in der Höhe von 1,5 Milliarden Dollar gegen den Nachlass von Jackson ein. Diese Klage, so gibt Safe­chuck an, habe auch ihn erkennen lassen, dass die Spiele mit Jackson in Wirklichkeit Missbrauch gewesen seien. Er folgte 2014 Robsons Beispiel. Im Dezember 2017 wurden beide Zivilklagen abgewiesen.

Bislang meldeten sich keine weiteren Opfer

«Leaving Neverland» ist kein Dokumentarfilm. Hinterfragt oder aufgedeckt wird nichts. Der Film zeigt zwei Männer, die eine Geschichte erzählen, ohne je etwas anderes als Worte aufzutischen. Der Regisseur ignoriert, dass Jackson zwölf Jahre lang Gegenstand intensivster Untersuchungen war, ohne dass man Beweismaterial gegen ihn gefunden hätte. Man fahndete nach Opfern und wurde nicht fündig. Im Schauprozess von 2005 wurde Jackson entgegen dem mobilisierten Volkszorn freigesprochen. Und trotz der Furore, die «Leaving Neverland» ausgelöst hat, sind seither keine neuen Kläger aufgetaucht.

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