Irak am Pranger

Freiheit des Worts Zum Tag der «Writers in Prison» morgen macht das PEN-Zentrum besonders auf die Situation in Irak aufmerksam.

Eva Bachmann
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Der Irak steht an erster Stelle – auf der Liste der Länder, in denen Journalistinnen und Journalisten am häufigsten getötet werden. Allein von Juli bis Dezember 2007 bezahlten 21 Zeitungsreporter und viele Fernsehmitarbeiter mit dem Leben.

Für das erste Halbjahr 2008 rapportiert der internationale PEN unter anderen folgende Fälle: Sirwa Abdel Wahab, freischaffende Journalistin für verschiedene Zeitschriften, sollte am 4. Mai vor ihrem Haus in Mossul entführt werden. Als sie Widerstand leistete, wurde sie erschossen. Der amerikakritische Journalist Shihab al-Tamimi hatte bereits mehrere Todesdrohungen erhalten, als er am 23. Februar angegriffen und angeschossen wurde und vier Tage später starb. Abid Aref, Chefredaktor der unabhängigen kurdischen Wochenzeitung «Hawlati», wurde angeklagt wegen Verleumdung des irakischen Präsidenten Jalal Talabani. Er hatte einen Artikel eines Amerikaners übersetzt und publiziert.

Zerreissproben

In Irak verläuft der Graben des Konflikts heute nicht nur zwischen den alliierten Truppen und den Einheimischen, sondern auch zwischen Kurden, Schiiten und Sunniten. «Jeder Iraker ist der Irak»: Die Gedichtzeile von Ali al-Shalah klingt wie eine Beschwörung, endlich Frieden zu schliessen. In vielen seiner Texte beschäftigt er sich mit den religiösen Spannungen und den politischen Zerreissproben in seiner Heimat. Ali al-Shalah lebt im Exil in der Schweiz. Zusammen mit den anderen irakischen Exilanten Younis Tawfik (Italien) und Khazal al-Majidi (Holland) tritt er zum «Writers in Prison»-Tag, der unter dem Titel «Irak – Die Tragödie der Kulturen» steht, in Zürich, Lugano und Genf auf, um über die Situation in seinem Land zu sprechen.

Yahoo im Zwielicht

Nicht nur in Irak, überall auf der Welt werden Schriftstellerinnen, Verleger, Journalistinnen, Blogger und andere, die das Recht auf freie Rede für sich in Anspruch nehmen, verfolgt. Für das zweite Halbjahr 2007 stehen 1009 neuen Fällen nur 94 Freilassungen gegenüber. Wobei ein «Fall» heissen kann: verschwunden, inhaftiert, misshandelt, mit dem Tode bedroht, ins Exil gezwungen, getötet… Das «Writers in Prison»-Komitee des internationalen PEN macht diese Fälle öffentlich und versucht, sich mit gezielten Aktionen für die Opfer einzusetzen. Ein Mittel ist der 15. November, der «Writers in Prison Day».

Eine andere Aktion war der «Poem Relay» zur Sommerolympiade in Peking: Das Gedicht «Juni» von Shi Tao wurde in 100 Sprachen übersetzt und um die Welt geschickt, darunter eine berndeutsche von Franz Hohler. Der Schriftsteller und Journalist Shi Tao verbüsst zehn Jahre Haft wegen Enthüllung von Staatsgeheimnissen im Ausland. Zum Verhängnis wurde ihm ein E-Mail, Yahoo hatte den chinesischen Behörden seine Identität bekanntgegeben. Die Unfreiheit des Worts wohnt eben nicht nur in China und in Irak, sie ist globalisiert.

www.pen-dschweiz.ch

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