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Ins gute Licht rücken

Die Lichttherapeutin Anja Leitz aus Ebnat-Kappel ist überzeugt, dass die richtige Dosis Licht unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit verbessert. Nicht nur, weil wir ständig vor kleinen und grossen Bildschirmen sitzen.
Text: Sabine Schmid
4 Bilder

Ins gute Licht rücken

Die Tage werden heller, und schon fühlen sich viele Menschen besser. Anja Leitz kann das gut nachvollziehen. «Ohne Licht kein Leben», sagt die Lichttherapeutin aus Ebnat-Kappel. Für sie ist Licht ein Lebenselement, das sie therapeutisch einsetzt.

In den Sommermonaten steht uns im Freien natürlich das Tages- und Sonnenlicht zur Verfügung. Das Wetter ist uns aber nicht immer so gut gesinnt wie gerade jetzt. Oder es ist uns wegen unseres Arbeitspensums nicht möglich, regelmässig Tageslicht zu geniessen. Hier kommt die Lichttherapie ins Spiel. Im Therapiezentrum von Anja Leitz liegt der Schwerpunkt auf Systemen, die den langwelligen Bereich, also Rot, Orange und «kaltes Infrarot» abdecken. Denn laut Anja Leitz kann unsere moderne Beleuchtung auch schädlich sein und muss mit guten Lichttherapiesystemen kompensiert werden.

Der Mensch erlebt die Jahreszeiten lichttechnisch auf unterschiedliche Art und Weise. So erfahren wir normalerweise im Sommer eine sehr hohe Lichtintensität, die uns aufgrund intensiver UV-Strahlung zwar etwas altern lässt, aber auch optimal mit dem Sonnenhormon Vitamin D versorgt. Im Winter vermissen wir das intensive Licht und erleben mehr Stunden mit künstlicher Beleuchtung. Evolutionär war der Winter zur Regeneration gedacht: lange Nächte, ein längerer Schlafzyklus und eine daraus folgende höhere Melatoninausschüttung. Doch wie ist das heute im modernen, digitalen Leben?

Warmes Licht der Glühbirne, kaltes LED-Licht

Im Winter wird das Sonnenhormon ­Vitamin D vom Melatonin abgelöst, das intensivere Regenerationsprozesse einleitet. Die Krux ist aber, dass Melatonin nur ausgeschüttet wird, wenn die Lichtintensität tief ist, also am Abend. Doch dann sind verschiedene Lampen an, und die Menschen sitzen vor dem Fernseher, starren auf den Bildschirm von Tablets und Smartphones. Viele schlafen gar nicht bei Dunkelheit, weil entweder eine Strassenlampe ins Zimmer scheint oder neben dem Bett ein Wecker mit Leuchtziffern steht. «Wenn wir Licht eingeschaltet haben, produzieren wir immer weniger Melatonin, und das wirkt sich auf die Zirbeldrüse im Hirn aus», sagt Anja Leitz. Dazu komme, dass das ­Melatonin ein wichtiger Zellschutz mit vielen biologischen Funktionen sei und letztlich vor systemischen Krankheiten – Krankheiten, die sich auf ein ganzes Organsystem auswirken – schütze.

«Auch in der Natur gibt es selbstverständlich Blaulicht unterschiedlicher Frequenzen», sagt Anja Leitz. Allerdings gibt uns die Natur nie nur ein einseitiges Farbspektrum. Man stelle sich einen Regenbogen vor. Seine Farben sind gleichmässig verteilt, unser Organismus sei an eine gleichmässige Verteilung unterschiedlicher Lichtspektren gewöhnt. Wir nutzen das warme Rotlicht beziehungsweise das Infrarotlicht der Sonne, um entstandene Schäden aggressiverer Lichtspektren wie die des Blaulichtes oder des UV-Lichtes zu reparieren. «Das Gegenmittel zu Blaulicht, wie es viele Bildschirme abstrahlen, ist Rotlicht. Das heisst, wir müssen am Abend das Blaulicht einschränken und dafür mehr ins rote Infrarotlicht gehen. Vor ein paar Jahren noch hatten wir den roten Lichtbereich in der Glühbirne. Heute sind wir immer mehr von kaltem, aggressivem LED-Licht umgeben, das in erster Linie blauer Natur ist. Dies ist völlig wider unsere Natur», so Anja Leitz. Aus diesem Grund reduziere sich die Regeneration. Wir sind umflutet von künstlichen Lichtquellen, die die Nacht zum Tag machen und unseren Melatoninspiegel drastisch verringern. Fehlt die Sonne, erhalten wir äusserst wenig rotes/infrarotes Licht, und unser Organismus wird konstant einseitig belastet.

«Die Energie kommt aus den lichtregulierten Mitochondrien»

Auf die Lichttherapie ist Anja Leitz sowohl in den USA wie auch Deutschland gestossen. Sie führte damals eine Praxis für Neurofeedback- und Magnetresonanztherapie und stellte immer öfters bei Patienten fest, dass sie unter massivem Energiemangel litten. Irgendwie hatte ihnen die Umwelt dermassen zugesetzt, dass es nicht nur dem Gehirn immer schwerer fiel, sondern auch dem gesamten Körper, adäquat Energie zu produzieren. Da diese Energie aus dem Mitochondrien kommt und diese stark lichtreguliert sind, hat Anja Leitz begonnen, international zu recherchieren. «Da bin ich auf das Thema Fotobiomodulation gestossen und dachte mir, dass damit effektiver therapiert werden kann», erinnert sich Anja Leitz an die Anfänge. Sie hat sich ausführlich mit den Wirk­mechanismen des Lichts und mit den Funktionen und der Wirkung der Chronobiologie auf das Befinden beschäftigt.

Richtiges Essen gegen den zellulären Jetlag

Zeitgleich hat sich für sie ein weiteres Feld eröffnet, die Ernährung. «Ich bin Hobbyköchin und liebe das Essen. So habe ich ausprobiert, wie ich den Stoffwechsel durch geeignete Lebensmittel und deren Zubereitung verbessern kann», sagt sie. Kombiniert man saisonales Essen, das dem Körper wichtige Licht- und Zeitinformationen übermittelt, mit dem richtigen Licht, können wir laut Leitz den internen Rhythmus wiederherstellen. «Eine Banane im Winter macht wenig Sinn, denn eine Banane und andere eigentlich ‹sommerliche› Lebensmittel signalisieren unseren Zellen, dass es Sommer ist, und schon erleben wir einen Jetlag auf zellulärer Ebene mit all seinen Nachteilen wie Müdigkeit, Erschöpfung und verringerter Gehirnkapazität.» Inzwischen hat Anja Leitz mehrere Kochbücher zu saisonaler Ernährung, Lichtverhältnissen und Chronobiologie verfasst.

Gäste tafeln bei Tages- oder Kerzenlicht

Anja Leitz lebt selbst nach der Philosophie des Lichtes und achtet auf ihre Ernährung. Sie fühlt sich wohl und vital. In ihrem Haus Steinfels in Ebnat-Kappel, einem über 350 Jahre alten Gebäude, betreibt sie ein Bed&Breakfast, dessen Zimmer von einem Lichtbiologen designt wurden. Die Gäste in den beiden Suiten – darunter seien auch Prominente, welche die Diskretion in Ebnat-Kappel sehr schätzen würden – profitieren von einer Rundumbetreuung.

Zentral sei die Essenszeit, erzählt Anja Leitz. «In der nächsten Umgebung finde ich alles, was ich brauche.» Viel von dem Gemüse, das sie in ihrer Küche verwendet, kultiviert sie in ihrem Garten, und die Türen ihrer Küche stehen immer offen. Oft würden ihr die Gäste über die Schulter blicken. «So können sie auch immer wieder einen Tipp mitnehmen.» Serviert wird an der grossen Tafel im Speisesaal. Gegessen wird ausschliesslich bei Tages- oder Kerzenlicht. Dies wirke beruhigend, und der Stoffwechsel funktioniert besser, so Anja Leitz. Wichtig für sie ist auch, dass der zeitliche Ablauf dem Rhythmus des Körpers entspricht. Aus diesem Grund wird früh gegessen, denn die Gäste gehen zeitig ins Bett und stehen auch früh auf.

Bad im Bach vor dem Frühstück

Dieses frühe Aufstehen nutzen viele für Aktivitäten schon vor dem Frühstück. Die einen beginnen den Tag mit einem Bad im kühlen Schmittlibach, der durch den Garten fliesst, andere «erden» sich, indem sie auf der Wiese meditieren. Bei den diversen Therapien greift Anja Leitz auf neuste Techniken zurück. Im ehemaligen Gärkeller der Brauerei Steinfels, die während 135 Jahren im Haus untergebracht war, stehen Geräte mit starken Lichtquellen. Damit behandelt Anja Leitz verschiedene Symptome und Krankheiten. Die Therapeutin nennt als Beispiel das Energizing Light oder auch ein spezielles Vitamin-D-Licht. «Viele Menschen jeden Alters haben einen chronischen Vitamin-D-Mangel, der nicht einfach mit entsprechenden Präparaten auszugleichen ist», sagt sie. ­Vitamin D sei ein Hormon mit besonderen Wirkmechanismen und ein wichtiger zellulärer Schutz. Es sei daher wichtig, dass jeder Mensch regelmässig in die Sonne geht, um UVB-Licht zu tanken und so den Vitamin-D-Spiegel aufzu­füllen.

Wechsel zwischen Sommer- und Wintermodus

Das ist allerdings in unseren Breitengraden ausschliesslich im Sommer möglich. Im Steinfels-Therapiekeller steht ein Gerät, unter dessen starker Lichtquelle die zellulären Vitamin-D-Rezeptoren an- geregt werden. Zusätzlich kann man sich unter ein spezielles UV-B-Licht begeben, das mit Infrarotlicht kombiniert ist. So lässt sich auf gesunde Weise ein optimaler Vitamin-D-Wert erreichen. «Dies sollte allerdings chronobiologisch richtig durchgeführt werden», sagt Anja Leitz. Haben wir unseren Vitamin-D-Spiegel im Sommer hochgefahren, darf er im Winter ruhig etwas abfallen. Schliesslich gilt das Sonnenhormon als zellulärer Signalgeber, und unser Kör-per muss aufgrund der Reduktion im Winter in einen Wintermodus kommen können.

Licht setzt die Therapeutin auch bei einer indischen Therapievariante, der Spektrochromtherapie, ein. Hier wird ganz individuell an bestimmten Farblichtmangelsymptomen gearbeitet. Je nach Farbwahl können akute oder chronische körperliche Zustände angegangen werden. Laut Anja Leitz kann diese Therapieform auch auf emotionaler ­Ebene eingesetzt werden.

Seit kurzem gibt es im Haus Steinfels ein weiteres einzigartiges Gerät, mit dem Anja Leitz eine besondere Tontherapie kombiniert mit Licht anbietet. Ergänzend dazu führt sie mit ihren Gästen Meditationen und Energiesitzungen durch, die sie nach Wunsch mit Massagen verbinden können. «Weil meine Therapieräume in Felsen gehauen sind, fühlen sich die Kunden besonders geerdet und kommen zur Ruhe», sagt sie.

Falsche Muster umtrainieren

Zu den therapeutischen Spezialitäten von Anja Leitz gehört die Neurofeedback-Therapie. Damit sollen Gehirn und Körper von Menschen regeneriert werden , die zum Beispiel unter ADS, Mi­gräne, Parkinson oder Schlafstörungen leiden. «Auch bei Sportlern, die ihre Leistung optimieren wollen, erziele ich gute Erfolge», sagt sie. Zu Beginn der Neurofeedback-Therapie steht ein EEG, mit dem Anja Leitz die Gehirnströme misst. So könne sie erkennen, welche Funktionsstörungen zu den Beschwerden ihrer Kunden führen. Danach werden falsch angelernte oder durch Krankheit verschlechterte Muster umtrainiert und das Gehirn wird in einen verbesserten Modus gebracht. Dies geschieht, indem das Gehirn mit einem positiven Feedback belohnt wird, wenn sich seine Leistung verbessert. Sämtliche Behandlungen mit Licht und Ton seien positiv auf dem EEG zu sehen, sagt die Lichttherapeutin.

Anja Leitz ist überzeugt, dass ein Paket aus Therapien, der richtigen Ernährung und der passenden Umgebung entscheidend dafür ist, dass sich der Körper artgerecht regenerieren kann. Die beiden Suiten des B&B sind gut gebucht, und sie denkt nur gerade ein Jahr nach der Eröffnung bereits über einen Ausbau nach.

Zu gross soll der Betrieb aber nicht werden, denn sie möchte auf jeden Fall, dass sie die Gäste weiterhin auf ihre individuelle Art betreuen kann und dass es für die Gäste stimmt.

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