In unpäpstlicher Mission

Der Papstbesuch in Afrika und seine umstrittenen Aussagen haben Einfluss auf die Aids-Prävention. Das erfährt gerade jetzt die Goldacher Studentin Astrid Knoblauch in der kamerunischen Hauptstadt. In ihrer Master-Arbeit analysiert sie den Kondomverkauf in afrikanischen Ländern.

Ralf Streule
Drucken

Wellblechhütten, bröckelnde Mauern, holprige Staubstrassen: Auf den Fotos, welche die Epidemiologie-Studentin Astrid Knoblauch auf ihren Blog stellt, wird die Armut der kamerunischen Hauptstadt Yaounde greifbar. «Die ersten Tage hier waren schwer», sagt die 22jährige Goldacherin. Seit vier Wochen wohnt sie in Yaounde, bis im Juli wird sie in Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik die Daten für ihre Master-Arbeit erheben. Sie analysiert für das «Zentralafrikanische Aids-Präventionsprogramm» Kondom-Verkaufsstellen im Land.

Vieldiskutierter Papstbesuch

Zentrales Thema in der Hauptstadt Yaounde war in den vergangenen Wochen der Besuch von Benedikt XVI. Für Diskussionsstoff war gesorgt: Schliesslich hatte der Papst vor seiner Afrikareise einmal mehr betont, dass Kondome nicht das richtige Mittel gegen Aids seien, ja das Aids-Problem gar verschärften.

«Die Enttäuschung über die Aussage war in meinem Umfeld gross», sagt Astrid Knoblauch. Dabei meint sie insbesondere diejenigen Leute, die im Präventionsprogramm mit ihr zusammenarbeiten und zusammenleben. Für diese Leute sei klar: Die Verbreitung des Virus lässt sich nicht über Appelle an die Sexmoral der Bevölkerung stoppen – sondern insbesondere durch Kondome und Aufklärung.

Jeder zehnte ist infiziert

Die Mitarbeiter der Aids-Organisation kennen die Realität: Fast jeder zehnte der 18,3 Millionen Menschen im Land ist mit dem HI-Virus infiziert. Das Präventionsprogramm, in dem Astrid Knoblauch mitarbeitet, wird von verschiedenen internationalen Organisationen getragen und durch die Deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau finanziert. Diese hat für das Projekt in den vergangenen drei Jahren zehn Millionen Euro investiert und plant weitere Investitionen.

Mit dem Geld wird der Kondomverkauf in Tschad, der Zentralafrikanischen Republik und in Kamerun subventioniert. Die Kondommarke «Prudence Plus» wird in Asien produziert und über Deutschland nach Zentralafrika geliefert. Dort wird sie an Zwischenhändler verkauft.

Die Idee des Projekts ist, die Präservative möglichst flächendeckend in zentralafrikanischen Ländern zu verbreiten. Dabei werden die Kondome aber nicht gratis abgegeben.

Subventionierte Kondome

«Eine Gratisverteilung würde schlecht funktionieren – die Kameruner würden die Kondome wohl als Ballone benutzen», sagt Astrid Knoblauch.

Vielmehr werde für die Kondom-Verbreitung auf «Social Marketing» gesetzt. Die Präservative werden subventioniert, damit Zwischenhändler und Verkäufer billiger zu den Kondomen kommen und ein Verkauf für sie reizvoll wird: Sie können mit dem Handel Geld verdienen und haben so einen Ansporn, die Präservative an den Mann zu bringen. Eine Packung von vier Kondomen kostet auch trotz Subventionierung umgerechnet noch 25 Rappen, was ungefähr den Kosten einer Mango entspreche.

Händler wissen wenig über Aids

In Kamerun gibt es unterdessen mehr als 20 000 Verkaufsstellen, in denen die «Prudence Plus»-Kondome verkauft werden – ein Verdienst des Präventionsprogramms. Bei den Verkaufsstellen handelt es sich meist um kleine Kioske.

Hier setzt die Arbeit von Astrid Knoblauch an: Um den Markt zu analysieren und damit Informationen für die Weiterführung des Projekts liefern zu können, untersucht sie Verkaufsstellen in verschiedenen Regionen Kameruns und der Republik Zentralafrika. Sie befragt Verkäufer zu Öffnungszeiten, zum Alter der Kundschaft oder zu Verkaufszahlen. Die gewonnenen Daten zeigen auf, wie sich der Kondomverkauf in Zentralafrika entwickelt. Zum Beispiel werde erhoben, wie stark sich der Absatz in ländlichen und urbanen Gebieten unterscheidet. «Weiter geht es auch darum, das Wissen der Verkäufer in bezug auf Kondome zu testen», sagt Astrid Knoblauch. Nicht alle Kondom-verkäufer wissen, was Aids genau ist und warum Kondome gegen die Verbreitung der Krankheit helfen. Dies zeigt eine erste Auswertung der Interviews an 29 Verkaufsständen in Yaounde.

Papst beeinflusst Kondomkauf

Bei ihren Interviews mit Kondomverkäufern erlebt Astrid Knoblauch derzeit auch mit, «wie die Leute von der Strasse» mit dem päpstlichen Kondom-Bann umgehen. «Viele jüngere Leute machen sich lustig über die Aussagen des Papstes», sagt sie. Ältere hingegen drückten zurückhaltend Verständnis für die Aussagen das Papstes aus. Personen aber, die sich dem päpstlichen Kondom-Bann völlig unkritisch unterwerfen würden, habe sie bisher kaum kennengelernt.

Der Papst hat mit seinem Afrikabesuch doch einen Einfluss auf den Kondomverkauf: Beim Verteiler in Yaounde habe nach dem Papstbesuch über eine Woche lang kein Zwischenhändler Kondome gekauft.

Astrid Knoblauch befragt in Kameruns Hauptstadt Yaoundé Kondomverkäufer. «Viele wissen nicht, dass Aids sexuell übertragen wird.» (Bild: pd)

Astrid Knoblauch befragt in Kameruns Hauptstadt Yaoundé Kondomverkäufer. «Viele wissen nicht, dass Aids sexuell übertragen wird.» (Bild: pd)