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Paris zeigt den nächsten Modefrühling

Die Chefdesigner der grossen Labels schöpfen auch für die kommende Frühlingssaison aus dem Erbe der berühmten Markengründer. Gleichzeitig inszenieren und interpretieren sie die Mode neu.
Esther Elionore Haldimann
Der nächste Frühling kommt bestimmt. Fotostoffdruck auf dem Plissee-Kleid von Akris.
Weiter, kurzer Tweedmantel von Chanel.
Transparenz in Anlehnung an «Libération» bi Saint Laurent.
Netztop zum Jupeklassiker, Hosenanzug über Netzleggins bei Dior.
Sattelelemente am Kragen bei Hermès.
Bolero zum Minikleid mit nach oben versetzter Taille bei Céline. (Bilder: AP, EPA, Getty)
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Mode

Die Kunst zahlreicher Chefdesigner besteht darin, den Ursprung der Markengründer zu bewahren und dennoch den Zeitgeist zu treffen. Mode ist für sie ein Puzzle, das es gilt anzureichern, zu ergänzen und neu zu interpretieren. Dior, Balmain, Courrèges, Schiapa­relli – all diese weltberühmten Namen bieten ein fabelhaftes Erbe ihrer unsterblichen Gründer, aus dem die Designer schöpfen und schmieden.

Eine Gratwanderung, die Karl Lagerfeld bei Chanel seit Jahrzehnten gelingt. Der in jeder Kollektion in einer anderen Version zurückkehrende, 1954 von Coco Chanel (1883–1971) lancierte Tweedlook langweilt, und doch will man ihn sehen. An den Pariser Modeschauen für den kommenden Frühling zeigte Lagerfeld eine Variante extrem breiter und weiter, aber kurzer Tweedmäntel in zartem Gelb, Rosa und Aprikose.

Interessanter war das Konzept von Diors Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri. «Auf der Suche nach der natürlichen Bewegung», meinte die Römerin nach ihrer Tanzdarbietung auf der Pferderennbahn Longchamp. Von elastischen Tänzerinnen und Tänzern umringt, haben die Models die Blumen Christian Diors (1905–1957), seine Farbe Beige-Crème und seine Hosenanzüge sehr fluide neu inszeniert. Sein berühmtes Kostüm Bar wird modern mit Netztops und -leggins unterlegt, alles wadenlang, eine Frau, die auf leichten Sohlen durch das Leben tanzt.

Zaumzeug an Mänteln von Hermès

Auf der gleichen, noblen Rennbahn am Pariser Stadtrand wurde Hermès’ wohl modernste Kollektion enthüllt: Der seit zwei Jahren amtierenden Chefdesignerin Nadège Vanhee-Cybulski ist eine meisterhafte Mischung ihres persönlichen, salopp minimalistischen Stils und der DNA des seit mehr als 180 Jahren bestehenden Luxussattlers gelungen. Zaumzeug oder die Lappen der Sättel befestigen die Ärmel, zieren die Brust bequemer, weiter Seglermäntel oder dienen als Kragenverschluss.

Paris fieberte aber vor allem der Show von Hedi Slimane entgegen: Sei­-ne Ernennung zum Chefdesigner des Labels Céline kam im letzten Januar sehr überraschend. Nachdem der 50-jährige Franzose vor zwei Jahren Saint Laurent verlassen hatte, hoffte die Szene, er würde eines Tages den über 80-jährigen Lagerfeld bei Chanel ersetzen. Denn der schüchterne, im volkstümlichen Pariser Ostteil aufgewachsene Slimane hatte in den Nullerjahren bei Dior den Herrenanzug auf Vordermann gebracht; eng, kurz, rockig, wie er bis heute als Sinnbild emsiger, innovativer Kaderleute bleibt. Anschliessend hat der Wunderknabe Saint Laurents Umsatz vervielfacht, indem er dessen Smokings, mit Schalschleifen verknoteten Blusen und opulent grellen Minimänteln digitale Strahlkraft verpasst hat.

Hedi Slimanes Silhouette für Céline

Als scharfer Beobachter, eigenwilliger Künstler und intellektueller Visionär inspiriert sich Slimane seit Beginn seiner Karriere an der Kultur von Berlin, Paris und Los Angeles. Der Modestar, der eigentlich Journalist werden wollte, ist äusserst diskret. Seit Jahren gibt er keine Interviews mehr, und diesmal nur eines, der konservativen Tageszeitung «Le Figaro»: «Bei Céline kehre ich ohne Nostalgie zur klassischen Wahrnehmung des Metiers zurück. Sie ist die meinige seit meinen Anfängen vor zwanzig Jahren. Alles, was ich mache, ist alles, was ich bin», erklärt er dort. Sein Rezept: Das Wesentliche aufgreifen und sich selbst bleiben. Das Resultat? Eine völlig neue Silhouette mit unter die Brust gesetzten Taillen gebauschter Minikleider, perfekt kombiniert mit knackigen Boleros in Form von Miniperfectos oder verkürzten Herrensakkos.

Die Erotik der «Libération» aus dem Jahr 1971

Slimane konnte die Sache persönlicher angehen, weil die Gründerin Céline Vipiana ab 1945 ihr Label nicht mit Prêt-à-Porter, sondern mit Handtaschen aufgebaut hat. Bei Saint Laurent muss sich sein Nachfolger Anthony Vaccarello (36) gleich mit zwei kostbaren Erbschaften herumschlagen: Slimanes Rock und Yves Saint Laurents (1936–2008) verwegene Eleganz. Mit zu hohen Spickeln und anhaltender Transparenz lotet der Belgier die Erotik von Yves Saint Laurents Kollektion «Libération» aus dem Jahre 1971 aus. Damit erreicht er den Gegentrend zu all dem Puritanismus, der die Laufstege schmückt, jedoch radikaler, als YSL oder Slimane es je gewagt hätten.

Der Stoffkomponist bei Akris

Albert Kriemler hingegen, Chefdesigner bei Akris, kann seine Ideen freier verwirklichen. Obwohl der Enkel der Firmengründerin Alice Kriemler-Schoch die hauseigene Tradition weiterführt, entwickelt der 58-Jährige selbst begeistert alle Stoffe seiner Kollektionen. «Das Resultat kommt dann immer ganz selbstverständlich daher, ich arbeite aber seit sieben Jahren an meiner eigenen Stoffdruckidentität», erzählte er nach seiner Schau in Paris. Progressiv wirkten seine plissierten Kleider und Mäntel, über die sich eine Schwarz-Weiss-Fotografie des Bukarester Stadtplatzes ausbreitet. Samt den riesigen Magneten, mit denen sich die rumänische Künstlerin Geta Brătescu auseinandergesetzt hat. Ihr Werk hat den St. Galler diesmal inspiriert. Die eigens entwickelten magnetischen Verschlüsse seiner Kleider und Jacken symbolisieren die Kraft, die abstösst oder anzieht, wie es auch in zwischenmenschlichen Beziehungen vorkommt.

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