Impfung

Die Verhinderung von Covid-19-Erkrankungen ist das Ziel, nicht die Herdenimmunität

Der Bund hat die Zielgruppen für die Corona-Impfung festgelegt. Zuerst werden nur Risikopersonen geimpft. Noch fehlt der Starttermin für die Impfung.

Bruno Knellwolf
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Noch ist es nicht soweit. Aber die Vorbereitungen für eine Corona-Impfung laufen auf Volltouren.

Noch ist es nicht soweit. Aber die Vorbereitungen für eine Corona-Impfung laufen auf Volltouren.

Christian Beutler / KEYSTONE

3802 Neuinfektionen meldet das Bundesamt für Gesundheit am 1. Dezember. «Die Infektionszahlen gehen immer noch sehr langsam zurück», sagt Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Und der Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte und Kantonsärztinnen Rudolf Hauri spricht von einer Stabilität auf sehr hohem Niveau. «In einigen Deutschschweizer Kantonen gibt es sogar wieder einen leichten Anstieg. Wir müssen die Fallzahlen um den Faktor 10 herunter bringen.»

So warten nach Masserey viele mit Ungeduld auf einen Corona-Impfstoff, zu dessen Einsatz gestern ein Expertengremium erstmals konkretere Angaben machte. 13 Millionen Dosen von drei verschiedenen Herstellern stehen bereit. Wann diese erstmals zum Einsatz kommen, konnte Masserey allerdings nicht sagen. Doch die Vorbereitungen sind im vollen Gange:

Zulassung

Noch gibt es keine Zulassung für einen der drei Impfstoffe, wie Claus Bolte, Leiter Bereich Zulassung von Swissmedic erklärt. Die drei Impfstoffe der Pharmafirmen AstraZeneca, Pfizer/Biontech und Moderna sind alle geprüft und beurteilt worden. Ein Nutzen-Risiko-Entscheid ist noch nicht möglich, weil noch Daten zur Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität fehlen. Vor allem auch Daten zu den klinischen Studien, die entscheidend sind für den Zulassungsentscheid. Diese Studien laufen übrigen immer noch, weil es sich um ein rollendes Verfahren handelt, bei dem die neusten Erkenntnisse laufend dazu geliefert werden. «Die Geschwindigkeit geht nicht auf Kosten der Sorgfalt», betont Bolte. Wann die Zulassung für einen oder alle drei Impfstoffe erfolgt, lässt sich im Moment noch nicht sagen.

Strategie

Das BAG hat eine erste Impfstrategie entwickelt. Diese zielt in erster Linie auf die Reduzierung von Todesfällen und schweren Erkrankungen. Daraus folgernd hat die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) die ersten Zielgruppen der Impfung festgelegt: Zu dieser gehören die besonders gefährdeten Personen und das Gesundheits- und Betreuungspersonal mit Patientenkontakt. Zur dritten Gruppe gehören Menschen, die zum Beispiel im Haushalt enge Kontakte zu besonders gefährdeten Personen haben und zur vierten Menschen, die in empfindlichen Institutionen arbeiten wie Heime und Gefängnisse.
Christoph Berger vom EKIF betont: «Es geht um einen Schutz der Risikogruppen, nicht um die Schaffung von Herdenimmunität. Das erste Ziel ist das Verhindern der Krankheit und nicht der Übertragung.» Dieses Ziel könne hinzukommen, wenn die stark Gefährdeten geimpft seien, sagt Berger. «Die Impfung ersetzt die anderen Schutzmassnahmen aber nicht.»

Verteilung

Verantwortlich für die Verteilung der Impfstoffe an die Kantone ist die Armee. Die Armeeapotheke hat eine eigene Lagerinfrastruktur eingerichtet und lagert die Impfdosen in geheimen, gut geschützten Depots an verschiedenen Orten, wie der Chef der Armeeapotheke, Daniel Aeschbach, sagt. Ende Jahr hat die Armee die nötige Lagerkapazität erreicht, zu der auch die Trockeneiskühlung der Impfstoffe gehört. Zuständig ist die Armee auch für die Auslieferung an die Kantone.

Impfung

Die Verteilung und die Impfung selbst müssen die Kantone organisieren und auch die Impfberechtigung erteilen. Dafür gibt es nach dem Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri verschiedene Varianten: Zum ersten Impfzentren an unabhängigen Standorten oder einem Spital oder Testzentrum angegliedert. Solche Zentren bieten sich zu Beginn der Impfkampagne an. Zudem mobile Impf-Equipen, die für Heime vorgesehen sind. Sobald die priorisierten Personen geimpft sind, können Arztpraxen dazukommen. Später kommen für eine breitere Impfung auch Apotheken in Frage. «Zu bedenken ist, dass die Impfung übers Jahr oder darüber hinaus dauern kann, weshalb Impfzentren keine langfristige Lösung sind», sagt Hauri. Die Impfung wird für alle gratis sein.