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Immer mehr Frauen leiden nach der Geburt an starken Blutungen – Schweizer Forscher wollen dem mit einer neuen Technik entgegenwirken

Ein Blick in die Statistik zeigt: Die Zahl der Frauen, die nach der Geburt zu viel Blut verlieren, nimmt zu. Ein Grund dafür ist das Alter der Gebärenden.
Bruno Knellwolf
Schweizer Forscher haben Wege gefunden, das Risiko der nachgeburtliche Blutungen zu minimieren. Bild: Getty Images

Schweizer Forscher haben Wege gefunden, das Risiko der nachgeburtliche Blutungen zu minimieren. Bild: Getty Images

Eine blutige Sache. So ist das, wenn ein kleines Geschöpf das Licht der Welt erblickt. So weit, so normal. Der Blutverlust der Mutter bei der Geburt ist dabei variabel. Bis zu einem halben Liter innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt ist normal. Alles darüber ist zu viel, die Mediziner sprechen dann von einer nachgeburtlichen oder postpartalen Blutung (PPH). Wenn die Frau mehr als einen Liter Blut verliert, handelt es sich um eine schwere, lebensbedrohliche Blutung. Diese ist weltweit eine der häufigsten Ursachen, warum Mütter nach der Geburt sterben.

Für nachgeburtliche Blutungen gibt es verschiedene Gründe. Die Geburt ist eine grosse Umstellung für den weiblichen Körper. Musste dieser zuvor das Kind über die Plazenta versorgen, löst sich dieses nun von der Gebärmutter. Und wenn sich die Plazenta ablöst, entsteht eine offene Wundfläche an der Gebärmutter. Hat die Frau eine normale Blutgerinnung, schliesst sich diese Wunde rasch. «Hat sie eine vererbte oder erworbene Störung der Blutgerinnung und der Verschluss funktioniert darum nicht genügend, kommt es zu Blutungen», erklärt Wolfgang Korte, Leiter des Zentrums für Labormedizin in St. Gallen.

Kontraktionsschwäche der Gebärmutter

In den meisten Fällen liegt der Blutung eine Uterus-Atonie zugrunde. Das bedeutet eine Kontraktionsschwäche der Gebärmutter. Die Gebärmutter kann sich nach der Geburt nicht oder ungenügend zusammenziehen, und daraus resultiert die Blutung. Die Frau verliert dann kontinuierlich Blut, bald können Kreislaufprobleme einsetzen, und im schlimmsten Fall verblutet die Mutter. «Rund 30 Prozent der mütterlichen Todesfälle bei der Geburt sind in Entwicklungsländern durch die postpartale Blutung bedingt», sagt Korte. Weltweit sterben pro Stunde rund zehn Frauen daran. In den Industrieländern liegt die Rate bei 13 Prozent.

«In den industrialisierten Ländern hat sich die Häufigkeit von PPH seit Beginn des Jahrtausends in etwa verdoppelt»

, sagt Korte. Zwar steigt auch in der Schweiz die Zahl der Fälle von nachgeburtlichen Blutungen stetig an (siehe Grafik). Todesfälle sind aber sehr selten. Generell ist die Müttersterblichkeit hierzulande sehr niedrig: Auf 100 000 Geburten kommen fünf Todesfälle von Frauen während der Schwangerschaft oder Geburt.

Der Hauptgrund für mehr nachgeburtliche Blutungen ist das stetig steigende Alter gebärender Frauen. Je älter eine Gebärende ist, desto höher ist das Risiko nachgeburtlicher Blutungen. Das Risiko für schwere postpartale Blutungen erhöht sich auch bei Mehrlingsgeburten, nach mehreren Schwangerschaften, internistischen Erkrankungen und aufgrund der höheren Rate an Kaiserschnitten. Am Universitätsspital Zürich finden sich generell eher viele Frauen mit einem höheren Risiko ein. Eine Auswertung einer internen Statistik zeigt, dass dort 4,7 Prozent der Frauen mehr als einen Liter Blut verlieren, 1,3 Prozent mehr als 1,5 Liter – beides sind lebensbedrohliche Blutungen. Das Hauptproblem der nachgeburtlichen Blutungen ist, dass sie oft zu spät erkannt werden. Das liegt in der Natur der Sache, da Blut zu einer Geburt gehört. Für Geburtshelferinnen ist es nicht leicht, zu erkennen, ob die Frau im Gebärsaal viel oder wenig Blut verloren hat.

Zwei Massnahmen für schnellere Erkennung

Um der in den letzten zwanzig Jahren steigenden Zahl von Fällen auch in der Schweiz entgegenzuwirken, arbeiten das Universitätsspital Zürich und das Zentrum für Labormedizin zusammen. Die Resultate dieser Arbeit hat Wolfgang Korte kürzlich in Melbourne am weltweit grössten Blutgerinnungskongress vorgestellt. Christian Haslinger hat am Universitätsspital Zürich einen Blutmessbeutel entwickelt, welcher das Blut bei der Geburt sammelt und den Geburtshelfern anzeigt, wenn der Blutverlust bedrohlich wird. Und Korte hat zusammen mit Haslinger mit ihren Forschungen einen Marker im Blut gefunden, einen Blutgerinnungsfaktor.

Dieser Marker zeigt im Gegensatz zu bereits entdeckten Markern schon vor der Geburt an, ob eine Frau Blutgerinnungsprobleme entwickeln könnte und damit ein grösseres Risiko für Blutungen. Beide Entwicklungen führen dazu, dass früher interveniert werden kann und Massnahmen eingeleitet werden können, bevor eine Frau über einen Liter Blut verloren hat. «In dem Moment, in dem man heute die Blutung entdeckt, laufen wir mit den Behandlungen immer hinterher», sagt Korte. Als nächsten Schritt suchen die Forscher eine Möglichkeit, den Wert des Risikomarkers vor der Geburt bei Frauen mit hohem Blutungsrisiko direkt in einer Behandlungsstudie zu überprüfen.

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