Im Tod betrachtet Peer Gynt sein Leben

Den nordischen Faust hat man Ibsens Peer Gynt genannt – der Vergleich ist gar nicht nötig, denn das Drama um das Suchen eines Menschen nach seinem wahren Ich ist für sich schon gross.

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Den nordischen Faust hat man Ibsens Peer Gynt genannt – der Vergleich ist gar nicht nötig, denn das Drama um das Suchen eines Menschen nach seinem wahren Ich ist für sich schon gross. Am Theater Konstanz öffnet Oliver Vorwerk mit seinem ungewöhnlichen Regieansatz eine neue Sicht auf den Kern, auf die Bestimmung des Menschen überhaupt.

«Ich will nicht sterben»

Überraschend die aufs äusserste reduzierte Bühne in der Spiegelhalle.

Ein Holzquader ragt auf der schiefen Bühne nach vorne, auf beiden Seiten verborgene Türen, vorne zwei Mikros. Zu Beginn steht ein langer, hagerer Mann an der Rampe. Er geht langsam nach hinten, greift sich an die Brust – nicht an die Herzgegend -, taumelt, bricht zusammen, wehrt sich: «Ich will nicht sterben!»

Im Augenblick des Todes läuft in schnellen Sequenzen sein Leben noch einmal ab, Erlebtes und Gedachtes vermischen sich, Szenen fliegen vorüber ohne chronologische Reihenfolge, Figuren verdichten sich auf ein Gesicht.

Peer Gynt (Ingo Biermann) agiert in zuckenden Bewegungen, unwirklich, aber ausserordentlich stark in seiner Präsenz. Seine Mutter Aase (Olga Strub) kann nicht anders als hingerissen zu sein, wenn er seine Geschichten auftischt, beim Sprechen eine phantastische Welt beschwört, dass sie zum Greifen nah scheint.

Trollkönig und Knopfgiesser

Alle Szenen sind bis ins Kleinste ausgefeilt: die Begegnung mit der liebenden Solveig, mit der Tochter des Trollkönigs wie mit dem König selbst und dem Knopfgiesser.

Doch wann ist Peer Gynt ganz bei sich selbst? Der Knopfgiesser fragt nach dem Wert seiner Seele, Solveig hat ihn mit ihrem Glauben an ihn gerettet. Am Ende sinkt der Sterbende wieder in sich zusammen. Jeder weitere Zusatz wäre überflüssig. Helmut Voith

Peer Gynt, Schauspiel noch bis 31. Dezember, Theater Konstanz

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